wiederherstellung des nationalen Königtums. 850
Albrecht mußte wohl oder übel einsehen, auf welche Art von
Bundesgenossen er hier gestoßen war. Es blieb ihm nichts übrig,
als selber und allein der Mann zu sein. Im Juli 1301 zwang er
den Pfalzgrafen zur Unterwerfung, dann eroberte er Bingen und
die Burg Klopp oberhalb der Stadt. Und sofort zeigte sich, daß
Gewalt von den rheinischen Bischöfen verstanden ward. Im März
1302 unterwarf sich der Mainzer Erzbischof, im Oktober der
Kölner, schließlich mußte auch Diether von Trier sich fügen.
Wunderbar aber ist zu sehen, wie außerordentlich glimpflich
Albrecht die Aufrührer behandelte. Nur wenige Zölle wurden
aufgehoben, bald herrschte wieder der alte Zustand. Warum?
Auch Albrecht fürchtete den Papst. In einem demütig klingenden
Schreiben, das er dem Papste im März 1802 durch eine große
Gesandtschaft nach Rom überbringen ließ, rechtfertigte er sich
wegen der wider ihn erhobenen Anklagen und bat um seine
Bestätigung. Und in welcher Form erteilte sie schließlich der
Papst am 30. April 18303! Albrecht sei ein schlechter Christ,
aber da er sich neuerdings gebessert habe, so wolle der Papst
milde sein und sich mit Rücksicht hierauf und im Andenken an
den guten König Rudolf, Albrechts Vater, seiner erbarmen!
Und dieser Ton schloß nicht einmal aus, daß Albrecht, um die
Beslätigung zu erlangen, noch italienische Zugeständnisse an
die Kurie machte. Wo waren die Zeiten hin, wo sich selbst
ein Gregor VII. im Bewußtsein weitestgehenden Rechts mit
der einfachen Befugnis zur formalen Konfirmation des gewählten
deutschen Königs zufrieden gestellt erklärt hatte! Seitdem hatte
Innocenz III. das Recht der Reprobation, Alexander IV. für
den Fall der Doppelwahl die schiedsrichterliche Entscheidung
beansprucht; Vonifaz VIII. war es vorbehalten, unter einem
unserer kräftigsten Herrscher ein Bestätigungsrecht von ent—
scheidendem Einfluß durchzusetzen.
Und neben die Kurie trat für Albrecht, nachdem er kaum
die vollen Rechte des Königtums mächtiger als seine letzten
Vorfahren geübt, ein weiterer starker Feind: Frankreich. Albrecht
war Is Verbündeter und Freund König Philipps auf den
Thron gelangt; noch Ende des Jahres 1299 hatte er mit ihm