Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Handel 
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Krisis stürzt. Selbst ein Abschütteln der Staatsschulden durch einen 
Staatsbankerott würde Rumänien nicht helfen, weil das Land noch 
mitten in der aufsteigenden Entwicklung ist, welche immer wieder 
neue große Summen für den Betrieb der Volkswirtschaft erfordert. 
Erst wenn einmal alle natürlichen Quellen des Reichtums erschlossen 
sein werden, wird die Einnahme so gewaltig gestiegen sein, daß das 
Land auf eine weitere fremde finanzielle Hilfe zu seiner Entwicklung 
verzichten und seine Schulden abzutragen anfangen kann. Bis dahin 
aber würde jedes Haltmachen in der Kapitalbeschaffung sich als 
bald durch ein Stillstehen der Volkswirtschaft rächen und zu ver 
hängnisvollen Rückschlägen führen. Die Gefahr ist in Rumänien 
besonders groß, weil die Grundlagen seiner Wirtschaft neu und nicht 
so konsolidiert sind, wie in anderen Ländern mit festeingewurzelter 
Bauern-, Handwerker- und Mittelstandsbevölkerung. Deshalb 
spielt in Rumänien die Warenausfuhr eine so bedeutende Rolle und 
deshalb wurde sie vom Staate so sorgfältig kontrolliert, gepflegt und 
durch kostspielige staatliche Anstalten gefördert. 
Der Handel mit Landeserzeugnissen im Innern und 
der Handel mit eingeführten Waren ist zumeist sich selbst 
überlassen. Er entwickelt sich, wie ihn das Volksbedürfnis und die 
freie Konkurrenz züchtet. Der Staat begnügt sich, von ihm müßige 
Verbrauchs- und Verkehrsgebühren einzuheben, und überläßt im 
übrigen die Kontrolle der Geschäftsführung dem Publikum. 
Dem Handel widmeten sich in Rumänien im Jahre 1911 ins 
gesamt 4813 protokollierte Firmen, und zwar 4211 Einzel- und 
602 Eesellschaftsfirmen, von denen 2466, beziehungsweise 828 in 
den Städten und 1745, beziehungsweise 74 auf dem Lande ihren 
Sitz hatten. Sie waren in 11 Handels- und Gewerbekammern mit 
235 Mitgliedern und einem Jahreshaushalt von 688852 Lei ver 
einigt. 
Der Ausfuhrhandel Rumäniens ist von 1324090 t im Werte 
von 218918878 Lei im Jahre 1880 auf 4569076 t im Werte von 
670705335 Lei im Jahre 1913, die Einfuhr in dem gleichen Zeit 
raume von 310975 t im Werte von 255336416 Lei auf 1374116 t, 
im Werte von 590012640 Lei gestiegen. Die Handelsbilanz war 
in den Jahren 1880 bis 1899 durchweg im Durchschnitt mit 8200000 
Lei jährlich passiv. Seit 1900 ist sie mit Ausnahme der Jahre 1904 
und 1908 und zwar im Durchschnitte mit über 100 000 000 Lei jähr 
lich aktiv. 1913 betrug der Uberschuß der Ausfuhr über die Einfuhr 
80692695 Lei oder rund 12 % der Gesamteinfuhr. Die Details 
der Aus- und Einfuhr Rumäniens im Jahre 1918 nach den ein 
zelnen Warengattungen und den beteiligten Staaten sind aus der 
dem Buche angehängten Tabelle ersichtlich.
	        
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