Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes Buch. Die Begründer. 
und auf der anderen Seite das verhältnismäßig langsame Wachstum 
der Lebensraittelmenge vor Augen führt. Er benützt zur' Darstellung 
der Bevölkerungsvermehrung die geometrische Reihe, die von 
Zahl zu Zahl durch Multiplikation fortschreitet, und er nimmt die 
einfachste Form, in der jede Zahl das Doppelte der vorhergehenden 
ist; zur Darstellung des Wachstums der Lebensmittelmenge bedient er 
sich der arithmetischen Reihe, die von Zahl zu Zahl durch 
Addition wächst. Auch hier nimmt er die einfachste, die Reihe der 
ganzen Zahlen: Das Ergebnis ist folgendes: 
1 2 4 8 16 32 64 128 256 
123456 7 8 9 
Er nimmt weiter an, daß jede Zahl eine Periode von 25 Jahren 
umfaßt. Man sieht daher sofort, daß, wenn die Bevölkerung sich alle 
25 Jahre verdoppelt, und die Lebensmittel während dieses Zeitraumes 
nur um eine stets gleichbleibende Menge wachsen, der Unterschied 
zwischen den beiden in einem unheimlichen Verhältnis steigt. In 
unserer Zahlenreihe, die nur 9 Perioden oder die verhältnismäßig 
kurze Zeit von 200 Jahren umfaßt, ist die Zahl für die Bevölkerung- 
schön 28 mal größer als die Zahl für die Lebensmittel. Wenn man 
die Reihe auf die hundertste Stelle fortsetzt, würde ein numerischer 
Ausdruck nicht mehr möglich sein. 
Die erste dieser Reihen kann als richtig anerkannt werden, 
soweit sie das biologische Fortpflanzungsgesetz vorstellt. Allerdings 
setzt die Verdoppelung vier zum zeugungsfähigen Alter gelangende 
Kinder voraus und folglich etwa 5 bis 6 Geburten, um den infolge 
der unvermeidlichen Kindersterblichkeit eintretenden Ausfall gut 
zu machen. Diese Ziffer mag uns hoch erscheinen, die wir in Ge 
meinwesen leben, wo die Beschränkung der Geburten üblich ist. 
Jedoch beweisen die Tatsachen, daß bei allen lebenden Wesen, sogar 
beim Menschen, der am wenigsten fruchtbar ist, die Zahl der Ge 
burten im natürlichen Lauf der Dinge beträchtlich höher sein würde. 
Die Zahl der sich folgenden Schwangerschaften des im Alter der 
Reproduktionsfähigkeit stehenden Weibes kann etwa zwanzig erreichen 
und hat sie in gewissen Fällen tatsächlich überstiegen. Dank dieser 
Vermehrung hat sich die Erde bis heute bevölkert, und nichts weist 
darauf hin, daß diese Reproduktionsfähigkeit heute bei beiden Ge 
schlechtern geringer sei als früher. Wenn Malthus daher nur die 
Zahl 2 als Rate seiner Vermehrungsreihe annimmt, hat er nichts 
übertriebenes behauptet 1 ). 
l ) Bei nur zwei Kindern auf das Paar würde die Bevölkerung natürlich zurück- 
geheu, da nicht alle Kinder das zeugungsfähige Alter erreichen und auch von denen, 
die es erreichen, nicht alle Kinder erzeugen. Die Erfahrung zeigt, daß hei weniger 
als drei Kindern auf das Paar, die Bevölkerung nicht steigt oder sich nur ganz
	        
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