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Zweites Buch. Die Gegner.
fordern, zuzugeben“ 1 ). In den Augen Sismondi’s ist die National
ökonomie eine „moralische Wissenschaft“, in der „alles einen Zu
sammenhang“ hat, und in der man einen falschen Weg beschreitet,
wenn man sich bemüht, „ein Prinzip zu isolieren, und nichts außer
ihm zu sehn“ 2 ). Sie beruht vor allem auf der Erfahrung, der Ge
schichte und der Beobachtung. „Die menschlichen Zustände“ sagt
er an einer anderen Stelle, „muß man vor allen Dingen in ihren
Einzelzügen studieren. Man muß nacheinander einen Zeitabschnitt,
ein Land oder einen Beruf besonders eingehend untersuchen, um einen
genauen Begriff zu bekommen, was der Mensch ist, und wie die Ein
richtungen auf ihn wirken ... Ich bin überzeugt, daß man in schwer
wiegende Irrtümer verfallen ist, weil man stets alles verallgemeinern
wollte, was mit den sozialen Wissenschaften in Verbindung steht“ 3 ).
Diese Kritik richtet sicli nicht allein gegen Eicaedo und Mac
Cülloch. sondern auch gegen J.-B. Say selbst, der sich bemüht hatte,
die Nationalökonomie auf die Darlegung einiger allgemeiner Grund
sätze zurückzuführen. Sie bereitet die Auffassung vor, die die deutsche
historische Schule späterhin sich rühmte, als die erste vertreten zu
haben. Sismondi, der selbst Historiker war und sich als Schrift
steller hauptsächlich mit dringlichen Reformen beschäftigte, konnte
nicht anders, als die Wirkung, die die sozialen Einrichtungen und
die Politik auf den wirtschaftlichen Wohlstand haben, hervorzuheben.
Er gibt z. B. eine gute Anwendung seiner Methode, wenn er in der
Untersuchung über den wahrscheinlichen Einfluß, den eine vollständige
Abschattung der „Corn-Laws“ in England haben werde, darauf hin
weist, daß die Frage nicht durch einige theoretische Begründungen
gelöst werden könne, und daß die verschiedenen Arten und Weisen der
Bewirtschaftung des Bodens in Rechnung gezogen werden müssen.
Ein Land der Pächter wie England setzt sich der Gefahr aus, nur
schwer der Konkurrenz solcher Länder, die mit Frondiensten arbeiten,
widerstehen zu können, wie z. B. Polen oder Rußland, wo das Ge
treide dem Besitzer nur „einige hundert unter die Bauern zu ver
teilende Stockhiebe“ kostet 4 ).
') Ebenda, S. 66. An verschiedenen anderen Stellen wendet er sich gegen
Ricahdo: I, S. 257, 300 und ff; S. 336, 366 und 423; II, S, 184, 190, 218 und 329.
2 ) Ebenda, S. 56.
3 ) Etudes sur l’Economie politique, Vorwort S. V. Schon in seinem
ersten Buch: La richesse commerciale hatte er gesagt; „Die Volkswirtschaft
gründet sieh auf das Studium des Menschen und der Menschen. Man muß die Natur
des Menschen kennen, den Zustand und das Schicksal der Gesellschaften zu verschie
denen Zeiten und an verschiedenen Orten, man muß Historiker, Reisende usw. zu Rate
ziehen. Eine solche Untersuchung ... ist die Philosophie der Geschichte und der
Reisen“ (I, S. 14 ff.).
4 ) Nouv. Princ., I, S. 257.