Kapitel I. Sismondi und die Ursprünge der kritischen Schule.
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Spruches zwischen den privaten und den allgemeinen Interessen, der
ihm auffällt 1 ). J
§ 3. Die Trennung des Eigentums und der Arbeit.
Die Erklärung des Pauperismus uncf der Krisen.
Sismondi ist der erste, der die Idee formuliert hat, daß die in
dustrielle Gesellschaft darauf hinstrebt, sich in zwei voneinander
durchaus verschiedene Klassen zu teilen, nämlich in die der Arbeiter
und die der Besitzer, oder wie er auch sagt: der Armen und der t
Reichen. Die Konkurrenz fr eiheit beschleunigt diese Trennung, indem
sie alle Zwischenglieder verschwinden läßt, um nur noch die Prole
tarier 2 ) und die Kapitalisten übrig zu lassen. „Die Zwischenglieder“,
sagt er an einer Stelle, „sind verschwunden; die kleinen Grundbesitzer,
die kleinen Pächter auf dem Lande, die kleinen Besitzer von Werk
stätten, die kleinen Fabrikanten, die kleinen Händler in den Städten
haben die Konkurrenz derer, die große Unternehmungen dirigieren,
nicht aushalten können. In der Gesellschaft ist nur noch Platz für
den Großkapitalisten und den Lohnempfänger, und in erschreckender
Weise hat man die Klasse der Menschen, die früher fast unbekannt
war, wachsen sehen, nämlich die der Menschen, die überhaupt keinen
Besitz haben 3 ).“ „Die Gesellschaft steht daher unter ganz neuen
Existenzbedingungen, über die wir bisher noch keine Erfahrung besitzen.
Die Tendenz geht dahin, jede Art von Eigentum von jeder Art von
Arbeit zu trennen. Da liegt die Gefahr, auf die ich hinweise 4 ).“
Dieses Gesetz der kapitalistischen Konzentration, das in dem
System von Marx eine so bedeutende Rolle spielen sollte, und das,
wenn es in Hinsicht auf die Unternehmungen wahr ist, sich deshalb
noch nicht auf das Eigentum anwenden zu lassen scheint — in dem
Sinne, daß eine Konzentration der Arbeit durchaus mit einer Zer-
>) „Das vom Interesse der anderen begrenzte Interesse eines jeden würde aller
dings das Interesse aller sein; da aber ein jeder seinen Nutzen auf Kosten der
anderen, wie auch in der Entwicklung seiner eigenen Hilfsmittel sucht und nicht
immer durch Kräfte, die seinen eigenen gleich sind, zurückgehalten wird, so findet
der Starke seinen Vorteil im Nehmen und der Schwache im Niohtwiderstehen, denn
das kleinste Übel ist, ebenso wie das höchste Gute, der Zweck der menschlichen
Politik“ (N. P., I, S. 407; vgl. auch infra, S. 213, Anm. 1).
2 ) „Hie Hauptumwälzung, die in der Gesellschaft mitten in dem allgemeinen
von der Konkurrenz geschaffenen Kampf eingetreten ist, ... ist das Auftreten des
Iroletariers unter den Lebensbedingungen des Menschen, des Proletariers, dessen
den Römern entlehnter Name alt, während er selbst durchaus neuzeitlich ist
(Etudes, I, S. 34).
3 ) Revue mensuelle d’Economie Politique, II, 1834, S. 124.
4 ' N. P.. II. ?. 434.