250
Zweites Buch. Die Gegner.
ERBRECHTES, des größten aller dieser Privilegien, in dem heute
alle anderen beschlossen sind, und dessen Wirkung darin besteht,
dem Zufall die Verteilung der gesellschaftlichen Vorteile zu über
lassen, und zwar unter der kleinen Anzahl derer, die einen Anspruch
darauf erheben können, während die bei weitem zahlreichere Klasse
zur Verkommenheit, zur Unwissenheit und zum Elend ver
dammt wird.
„Sie verlangen, daß alle Arbeitsmittel, der Boden und die Kapi
talien, die heute den zerstückelten Stamm des Privateigentums bilden,
zu einem einzigen gesellschaftlichen Vermögensstamme vereint werden,
und daß dieses Ganze durch Assoziation und zwar in der Form
einer Hierarchie bewirtschaftet werde, so daß die Aufgabe eines
jeden den Ausdruck seiner Fähigkeit vorstelle, und sein Reichtum
im Verhältnis zu seinen Leistungen stehe.
„Die Saint-Simonisteu beabsichtigen, die Einrichtung des Eigen
tums nur insoweit anzugreifen, als es für einige das frevelhafte
Privileg des Müßigganges
einem Rechtsgrundsatz erhebt,
nämlich zum Recht wie von der Arbeit anderer zu leben.“
c) Endlich begnügen sich die, die das Privateigentum kritisieren,
im allgemeinen nicht damit, es vom Gesichtspunkte der Verteilung
und der Erzeugung der Güter zu verurteilen. Fast stets fügen sie
den beiden Argumenten ein drittes an, das man das historische
Argument nennen könnte. Es besteht in der Darlegung, daß das
Eigentum eine bewegliche, wechselnde, in beständiger Entwicklung
befindliche Einrichtung ist, die schon heute das Bestreben zeigt, sich
in der von ihnen gewünschten Richtung zu verändern. Auch die
Saint-Simonisten haben dieses Argument gebraucht.
Diese Form der Beweisführung hat, wie wir schon hier hervor
heben wollen, im Laufe des 19. Jahrhunderts eine sehr bedeutende
Rolle gespielt, und zw r ar zunächst bei den Sozialisten, dann aber
auch bei anderen Schriftstellern. Die verschiedensten Schulen haben
sich auf die Geschichtsphilosophie berufen und berufen sich noch
heute darauf. Dies geschieht nicht nur zugunsten einer Reform des
Eigentums, sondern auch zugunsten der von allen Parteien vor
geschlagenen Verbesserungen. Das System von Karl Marx stellt
in Summa eine großartige Geschichtsphilosophie dar, in der der
Kommunismus als das notwendige Ziel der Entwicklung der „Pro
duktionsverhältnisse“ erscheint. Die vom Marxismus losgelösten
modernen Sozialisten berufen sich ebenfalls darauf. Vandervelde x )
stützt sich auf die Geschichtsphilosophie, ebenso wie die allerneusten
Schriftsteller des „Socialisme en action“ oder wie Herr und Frau
l ) lu seinem Meinen Werk: Le Colleetivisme, Paris 1900.