Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Zweites  Buch.  Die  Gegner.

ERBRECHTES,  des  größten  aller  dieser  Privilegien,  in  dem  heute
alle  anderen  beschlossen  sind,  und  dessen  Wirkung  darin  besteht,
dem  Zufall  die  Verteilung  der  gesellschaftlichen  Vorteile  zu  überlassen, ­
  und  zwar  unter  der  kleinen  Anzahl  derer,  die  einen  Anspruch
darauf  erheben  können,  während  die  bei  weitem  zahlreichere  Klasse
zur  Verkommenheit,  zur  Unwissenheit  und  zum  Elend  verdammt ­
  wird.
„Sie  verlangen,  daß  alle  Arbeitsmittel,  der  Boden  und  die  Kapitalien, ­
  die  heute  den  zerstückelten  Stamm  des  Privateigentums  bilden,
zu  einem  einzigen  gesellschaftlichen  Vermögensstamme  vereint  werden,
und  daß  dieses  Ganze  durch  Assoziation  und  zwar  in  der  Form
einer  Hierarchie  bewirtschaftet  werde,  so  daß  die  Aufgabe  eines
jeden  den  Ausdruck  seiner  Fähigkeit  vorstelle,  und  sein  Reichtum
im  Verhältnis  zu  seinen  Leistungen  stehe.
„Die  Saint-Simonisteu  beabsichtigen,  die  Einrichtung  des  Eigentums ­
  nur  insoweit  anzugreifen,  als  es  für  einige  das  frevelhafte

Privileg  des  Müßigganges

einem  Rechtsgrundsatz  erhebt,

nämlich  zum  Recht  wie  von  der  Arbeit  anderer  zu  leben.“
c)  Endlich  begnügen  sich  die,  die  das  Privateigentum  kritisieren,
im  allgemeinen  nicht  damit,  es  vom  Gesichtspunkte  der  Verteilung
und  der  Erzeugung  der  Güter  zu  verurteilen.  Fast  stets  fügen  sie
den  beiden  Argumenten  ein  drittes  an,  das  man  das  historische
Argument  nennen  könnte.  Es  besteht  in  der  Darlegung,  daß  das
Eigentum  eine  bewegliche,  wechselnde,  in  beständiger  Entwicklung
befindliche  Einrichtung  ist,  die  schon  heute  das  Bestreben  zeigt,  sich
in  der  von  ihnen  gewünschten  Richtung  zu  verändern.  Auch  die
Saint-Simonisten  haben  dieses  Argument  gebraucht.
Diese  Form  der  Beweisführung  hat,  wie  wir  schon  hier  hervorheben ­
  wollen,  im  Laufe  des  19.  Jahrhunderts  eine  sehr  bedeutende
Rolle  gespielt,  und  zw r ar  zunächst  bei  den  Sozialisten,  dann  aber
auch  bei  anderen  Schriftstellern.  Die  verschiedensten  Schulen  haben
sich  auf  die  Geschichtsphilosophie  berufen  und  berufen  sich  noch
heute  darauf.  Dies  geschieht  nicht  nur  zugunsten  einer  Reform  des
Eigentums,  sondern  auch  zugunsten  der  von  allen  Parteien  vorgeschlagenen ­
  Verbesserungen.  Das  System  von  Karl  Marx  stellt
in  Summa  eine  großartige  Geschichtsphilosophie  dar,  in  der  der
Kommunismus  als  das  notwendige  Ziel  der  Entwicklung  der  „Produktionsverhältnisse“ ­
  erscheint.  Die  vom  Marxismus  losgelösten
modernen  Sozialisten  berufen  sich  ebenfalls  darauf.  Vandervelde  x )
stützt  sich  auf  die  Geschichtsphilosophie,  ebenso  wie  die  allerneusten
Schriftsteller  des  „Socialisme  en  action“  oder  wie  Herr  und  Frau

l )  lu  seinem  Meinen  Werk:  Le  Colleetivisme,  Paris  1900.
            
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