Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  III.  Die  Assozialisten.

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Ein  großer  Städtebauer  im  Lande  Utopia,  war  er  doch  der  Begründer ­
  einer  ganzen  Menge  von  Reformen  und  Einrichtungen,  die
sich  als  außerordentlich  praktisch  erwiesen  und  die  in  der  Folgezeit
immer  größere  Bedeutung  gewonnen  haben.  Wir  meinen  die  Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen. ­

Wenn  wir  ihn  auch  unter  die  Assozialisten  einrechnen,  so  darf
man  deshalb  nicht  glauben,  daß  die  Genossenschaft  die  einzige  Lösung
der  sozialen  Frage  gewesen  sei,  die  er  im  Auge  gehabt  hat.  In
Wirklichkeit  hat  er  sie  alle  ein  wenig  probiert.
Mit  den  Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen  hat  er  begonnen.  In
seiner  Fabrik  von  New-Lanark  waren  schon  fast  alle  Veranstaltungen
verwirklicht,  die  später  auf  den  sozialökonomischen  Ausstellungen
vorgeführt  wurden:  Arbeiterhäuser  mit  Gärten,  Speisezimmern  und
W  irtschaftsgebäuden,  Sparkassen  usw.
Der  Arbeitergesetzgebung  eilte  er  ein  ganzes  halbes  Jahrhundert
voraus,  indem  er:
1.  den  Arbeitstag  für  Erwachsene  von  17  auf  10  Stunden  beschränkte; ­

2.  sich  weigerte,  Kinder  unter  10  Jahren  zu  beschäftigen,  und  für
Sle  Schulen  schuf,  die  zum  ersten  Male  durchaus  dem  kirchlichen
Einfluß  entzogen  waren;
3.  die  damals  überall  gebräuchlichen  Strafgelder  abschaffte J ).
Da  aber  Owen  einsah,  daß  weder  sein  Beispiel,  noch  auch  sein
industrieller  Erfolg  die  Arbeitgeber  zu  seinen  Ideen  bekehren  konnten,
versuchte  er,  die  Regierungen  dafür  zu  gewinnen,  zuerst  die  seines
ei genen  Landes,  dann  aber  auch  die  fremden  Herrscher,  und  so  durch
Gesetze  dieselben  Reformen  zu  erbitten,  die  er  lieber  von  dem  guten
W  illen  der  herrschenden  Klassen  allein  erlangt  hätte.

')  Als  seine  Teilhaber  sich  über  diese  Neuerungen,  die  für  seine  Zeit  unerhört
Waren,  beklagten,  antwortet  Owen  ihnen  in  folgenden  Worten,  die  auch  heute  noch
ukhts  an  zeitgemäßer  Bedeutung  verloren  haben:  „Die  Erfahrung  hat  Ihnen  sicherlich
den  Unterschied  gezeigt,  der  zwischen  einer  rein  geputzten,  glänzenden  masohiue  en
Einrichtung,  die  stets  in  gutem  Zustand  ist,  und  einer  anderen  besteht,  die  schmutzig
ünd  in  Unordnung  ist,  die  unnötige  Eeihungen  aufweist  und  die  nach  und  nach
unbrauchbar  wird.  Wenn  daher  die  auf  unheseelte  Maschinen  verwendete  Muhe  so
Vorteilhafte  Ergebnisse  zeitigt,  warum  sollte  man  nicht  das  gleiche  von  der  Sorgfalt
erwarten,  die  mau  auf  lebendige  Maschinen  verwendet,  deren  Struktur  noch  viel
bewunderungswürdiger  ist?  ...  Ist  es  nicht  natürlich,  wenn  man  zu  dem  Schluß
kommt,  daß  auch  diese  viel  komplizierteren  und  feineren  Maschinen  an  Kraft  und
Wirksamkeit  gewinnen  werden,  und  daß  ihre  Verwendung  wirtschaftlicher  sein  wird,
wenn  man  sie  reinlich  hält,  sie  mit  Freundlichkeit  behandelt,  wenn  man  ihrer
geistigen  Tätigkeit  unnötige  Reibungen  erspart,  und  wenn  man  ihnen  eine  ausreichende ­
  Menge  Nahrungsmittel  und  Unterhaltsmittel  liefert,  um  ihren  Köiper  in
gutem,  produktionsfähigen  Zustand  zu  erhalten  und  zu  verhindern,  daß  er  vorzeitig
verfalle  und  zum  alten  Eisen  geworfen  werden  muß?’ 1
            
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