Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Zweites  Buch.  Die  Gegner.

§  2.  Die  Abschaffung  des  Profits.
Um  das  wirtschaftliche  Milieu  zu  ändern,  muß  vor  allen  Dingen
der  Profit  abgeschafft  werden.  Im  Streben  nach  Profit,  darin  liegt
das  Grundübel,  die  Erbsünde,  die  verbotene  Frucht  des  Paradieses,
die  den  Fall  des  Menschengeschlechts  verursacht  hat.  Was  ist  denn
in  Wirklichkeit  der  Profit?  Das,  was  den  Kostenpreis  übersteigt. ­
  Er  ist  daher  gerade  auf  Grund  dieser  Definition  eine  Ungerechtigkeit, ­
  denn  der  Kostenpreis  ist  der  gerechte  Preis:  die  Produkte ­
  müssen  zu  dem  Preise  verkauft  werden,  den  sie  kosten,  weder
höher  noch  geringer.  Der  Profit  ist  aber  nicht  nur  eine  Ungerechtigkeit ­
  ;  er  ist  eine  beständige  Gefahr,  die  wirkliche  Ursache  der  durch
Überproduktion  oder  vielmehr  durch  Unterkonsumtion  verursachten
Krisen  *),  denn  er  versetzt  den  Arbeiter  in  die  Unmöglichkeit,  das
Erzeugnis  seiner  Arbeit  zurückzukaufen  und  daher  den  Gegenwert ­
  dessen,  was  er  erzeugt  hat,  zu  verzehren.  Wie  wäre  das  auch
möglich,  da  ja  das  Produkt,  sobald  es  seine  Hände  verlassen  hat,
von  einer  Preiserhöhung  betroffen  wird,  die  es  dem,  der  es  hergestellt
hat,  unerreichbar  macht,  wie  auch  dem,  der  eine  gleiche  Arbeit
lieferte,  und  als  Preis  nur  einen  gleichen  Arbeitswert  anbieten
kann?
Wie  soll  man  nun  vergehen,  um  diesen  parasitischen  Aufschlag
abzuschaffen?  Würde  zunächst  nicht  das  natürliche  Spiel  der  Konkurrenz ­
  genügen,  wenn  sie  ganz  und  gar  frei  und  vollkommen  wäre,
um  zu  einer  Ausschaltung  des  Profites  zu  gelangen?  Die  Volks  Wirtschaftler ­
  behaupten  es,  und  wir  werden  sehen,  wie  im  besonderen  die
der  hedonistischen  Schule  sich  zu  dem  Nachweis  erbieten,  daß  unter
der  Ordnung  einer  vollkommenen  Konkurrenz  die  Höhe  des  Profites
auf  Null  herabsinken  würde.  Owen  glaubt  dies  jedoch  keineswegs 2 );

•)  Die  große  wirtschaftliche  Krisis  von  1815  hatte  auf  Owen,  wie  auf  alle
Yolkswirtschaftler  und  Sozialisten  seiner  Zeit  großen  Eindruck  gemacht.
2 )  Anscheinend  könnte  man  Owen  folgendes  entgegenhalten:  von  zwei  Dingen
ist  nur  eins  möglich:  entweder  stellt  der  Gewinn  einen  Feil  der  Produktionskosten
vor;  zwischen  ihm  und  den  Zinsen  besteht  kein  Unterschied.  In  diesem  Falle  ist
es  richtig,  daß  die  Konkurrenz,  so  vollkommen  sie  auch  sein  möge,  ihn  nicht  zutn
Verschwinden  bringen  kann,  da  sie  doch  nicht  mehr  zu  tun  vermag,  als  den  Verkaufspreis ­
  auf  das  Niveau  der  Produktionskosten  zu  bringen;  in  diesem  Falle  ist
aber  der  Profit  weder  ungerecht,  noch  parasitisch,  da  das  Erzeugnis  zu  dem  Preis,
den  es  gekostet  hat,  weder  teuerer,  noch  billiger,  verkauft  wird.
Oder  aber  der  Gewinn  stellt  keinen  Teil  der  Produktionskosten  dar:  zwischen
ihm  und  den  Zinsen  besteht  ein  Unterschied;  er  ist  nur  der  Überschuß  des  Verkaufspreises ­
  über  den  Kostenpreis;  in  diesem  Fall  kann  man  ihn  allerdings  parasitisch
nennen;  doch  auch  dann  wird  er  unter  der  Herrschaft  der  vollkommenen  Konkurrenz
            
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