Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  III.  Die  Assozialisten.

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ein  Fünftel  ein  beständiges  und  unveräußerliches  Sozialkapital ­
  bilden,  das  sich  jedes  Jahr  regelmäßig  vergrößern  würde.
„Ohne  dieses  Kapital  —  sagte  Buchez  mit  einem  sicheren  Gefühl
für  die  Zukunft  —  würde  die  Assoziation  jeder  anderen  Handelsgesellschaft ­
  gleich  werden;  ihr  Nutzen  würde  nur  den  Gründern  zufallen ­
  und  allen  denen,  die  anfangs  nicht  an  ihr  teilgehabt  haben,
schädlich  sein,  denn  sie  würde  zwischen  den  Händen  der  ersteren
zu  einem  Ausbeutungsmittel  werden  *).“  Dies  Schicksal  hat  tatsächlich ­
  eine  ganze  Anzahl  von  Produktivgenossenschaften  ereilt,  bei
denen  die  Gründer,  die  nunmehr  zu  echten  Aktionären  geworden
waren,  neue  Arbeiter  für  ihren  eigenen  Vorteil  arbeiten  lassen  und
sie  als  einfache  Hilfskräfte  betrachten.
Die  soziale  Werkstatt  Louis  Blanc’s  zeigte  viel  Ähnlichkeit  mit
der  Buchez’,  nur  daß  unser  Verfasser  hauptsächlich  an  die  große,
und  Buchez  an  die  kleine  Industrie  dachte 2 ).  Weiterhin  war  die
soziale  Werkstatt  in  den  Gedanken  Louis  Blanc’s  nur  eine  Keimzelle, ­
  aus  der  in  der  Zukunft  eine  ganze  kollektivistische  Gesellschaft
sich  entwickeln  sollte.  Diese  spätere  Entwicklung  beschäftigte  ihn
jedoch  in  Wirklichkeit  nur  wenig.  Es  war  dies  ein  zu  fern  liegendes
ideal,  das  noch  zu  unbestimmt  erschien,  um  zurzeit  schon  mit  irgendwelchem ­
  Nutzen  erörtert  werden  zu  können.  Die  Hauptsache  war,  daß
man  einen  Anfang  mache  und  diesen  Anfang  in  einer  praktischen  Art
und  Weise  ins  Werk  setze.  „Die  Zukunft  vorbereiten,  ohne  schroff
mit  der  Vergangenheit  zu  brechen  (S.  172)“,  —  dies  ist  die  Aufgabe.
Wie  wird  diese  Zukunft  sich  nun  gestalten?  Man  kann  sie  unmöglich
genau  festlegen.  Wenn  man  es  tut,  gelangt  man  nur  zu  einer  Utopie.
Auf  Grund  dieses  fest  umrissenen  und  einfachen  Charakters  seiner
Reform  gelang  es  dem  Plan  Louis  Blanc’s,  die  Aufmerksamkeit  zu
fesseln.  Nach  so  vielen  großzügigen,  aber  außerhalb  aller  Möglichkeit
einer  Verwirklichung  liegenden  Träumen  war  hier  endlich  ein  Projekt
gegeben,  das  Jeder  verstand,  und  dessen  Anwendung  leicht  durchzuführen ­
  war.  Das  Bedürfnis,  von  den  Idealen  zur  Wirklichkeit  zu
kommen  und  endlich  eine  praktische  Formel  zu  entdecken,  um  dem
„laisser-faire“  um  jeden  Preis  zu  entrinnen,  findet  sich  bei  mehr  als
einem  der  Zeitgenossen  Louis  Blanc’s,  z.  B.  bei  Vidal,  dem  heute
n ur  zu  sehr  vergessenen  Verfasser  eines  interessanten  Buches  über  die
Güterverteilung 8 ).  Hierin  liegt  die  Erklärung  für  einen  guten  Teil
s ®ines  Erfolges,  wie  auch  späterhin  für  den  des  Staatssozialismus.
*)  Von  Festy  angeführt.  Le  mouvement  onvrier  au  dehut  de  la
Monarchie  de  Juillet,  S.  88  (Paris  1908).
2 )  Für  die  Großindustrie  schlug  Buchez  ganz  verschiedene  Reformen  vor.
Dgl,  Pesty,  op.  cit.)
3 )  Pranqois  Vidal,  De  la  Repartition  des  richesses,  1846.
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