Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

310 
Zweites Buch. Die Gegner. 
Nation ist 1 ). Es ist daher nicht am Platze, wenn es sich um eine 
Nation, wie die englische handelt, deren Erziehung in dieser Hinsicht 
schon abgeschlossen ist, und ebensowenig bei einer Nation, die keine 
Fähigkeiten und keine natürlichen Hilfsmittel hat, die ihr gestatteten, 
für die Zukunft eine industrielle Entwicklung zu erhoffen. Hierher 
gehören die Nationen der tropischen Zone, die auf die Landwirtschaft 
beschränkt zu sein scheinen, während die Nationen der gemäßigten 
Zonen die Möglichkeit der verschiedensten Produktionszweige haben 2 ). 
2. Weiterhin läßt sich der Schutzzoll nur dann rechtfertigen, 
wenn die Nation, um die es sich handelt, in ihrem Fortschritt durch 
die Konkurrenz einer machtvollen, ausländischen und schon weiter 
entwickelten Manufaktur behindert wird 8 ). Sie befindet sich dann 
in der Lage „eines Kindes oder Knaben im Eingkampf mit einem 
erstarkten Mann“, und wird „schwerlich obsiegen oder auch nur 
Widerstand leisten können“ 4 ). Das ist gerade der Fall, in dem sich 
Deutschland England gegenüber befindet. Es ist höchst lehrreich, 
in seinen Briefen an Ingersoll die Beschreibung, die er von dem 
„dumping“ gibt, zu lesen, dessen Anwendung heute so oft den Trusts 
vorgeworfen wird, und das darin besteht, im Auslande die Waren 
billig loszüschlagen, deren Preis im Inlande hochgehalten wird 6 ). 
’) Nat. Syst. S. 272, Cotta. Ausg. 1841. 
2 ) Ebenda, S. 4:13 sagt List: „Im allgemeinen dürfte anzunebmen sein, daß 
da, wo eine Gewerbs-Industrie bei einem anfänglichen Schutz von 40 bis 60 Prozent 
nicht aufkommen kann, und bei einem fortgesetzten Schutz von 20 bis 30 Prozent 
sich nicht auf die Dauer behaupten -kann, die Grundbedingungen der Manufaktur 
fehlen.“ 
3 ) Nat. Syst. S. 261, Cotta. Ausg. 1841. „Einzig bei Nationen der letzteren 
Art, nämlich bei denjenigen, welche alle erforderlichen geistigen und materiellen 
Eigenschaften und Mittel besitzen, um eine eigene Manufakturkraft zu pflanzen und 
dadurch den höchsten Grad von Zivilisation und Bildung, von materiellen Wohlstand 
und politischer Macht zu erstreben, welche aber durch die Konkurrenz einer bereits 
weiter vorgerückten auswärtigen Manufakturkraft in ihren Fortschritten aufgehalten 
werden, ■— nur bei solchen ist die Handelsbeschränkung zum Zweck der Pflanzung 
und Beschützung einer eigenen Manufakturkraft zu rechtfertigen . . .“ 
4 ) Nat. Syst. S. 416, Cotta. Ausg. 1841. 
5 ) „Ein Jeder weiß, sagt er (nach Hirst, op. cit. infra, S. 23111.), daß die Pro 
duktionskosten in einer Manufaktur stark von der erzeugten Menge abhängen (Gesetz 
des wachsenden Ertrages!) . . • Dieser Umstand hat einen großen Einfluß auf 
den Aufschwung oder den Niedergang der Manufakturkraft, Wenn einem englischen 
Fabrikanten ausreichende Absatzwege im Inland garantiert sind, so wird ihm damit 
gewöhnlich ein regelmäßiger Absatz der zum Unterhalt seiner Manufaktur nötigen 
Menge garantiert (z. B. 10000 yards zu 6 Dollar)... Da seine Kosten schon durch 
diesen inländischen Verkauf gedeckt sind, werden die Herstellungskosten für weitere 
10000 yards für den ausländischen Markt weniger hoch, und er erzielt noch einen 
Gewinn, wenn er sie zu 4 und sogar nur 3 Dollar den Yard verkauft . . . Und 
noch besser, er kann sich einen Profit für die Zukunft schaffen, sogar wenn er für 
den Augenblick nichts gewinnt,“ (indem er durch seine niedrigen Preise die aus-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.