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Zweites Bach. Die Gegner.
markt „unabhängig“ zu machen. Er nennt die Nation die reichste,,
„welche die Fabrikationskräfte nach allen Verzweigungen innerhalb»
ihres Territoriums zur höchsten Vollkommenheit ausgebildet hat, und
deren Territorium und landwirtschaftliche Produktion groß genug ist r
um ihre Fabrikbevölkerung mit dem größten Teil der erforderlichen
Lebensmittel und Rohstoffe zu versehen“ (8. 227/228). Er erkennt,
aber zugleich an, daß diese Vorteile ein Ausnahmeprivilegium sind,
und er nennt es „Torheit“, wenn eine Nation „Produkte, in deren
Hervorbringung sie von der Natur nicht begünstigt ist, und die sie
besser und wohlfeiler vermittelst der internationalen Arbeitsteilung,
d. h. durch den auswärtigen Handel sich verschaffen kann, ver
mittels der nationalen Arbeitsteilung, d. h. durch Produktion im
Innern sich verschaffen wollte“ (S. 238). Die vollständige Selb
ständigkeit ist daher für ihn ein unerreichbares Ideal. Man kann
jedoch nicht leugnen, daß er durch gewisse Ausdrücke dazu bei
getragen hat, der falschen Idee Vorschub zu leisten, als ob ein Land,
das einen bedeutenden Teil seines Verbrauches dem Auslande ent
nimmt, nun vom Auslande abhängig sei 1 ). In Wirklichkeit hängt
es nicht mehr vom Auslande ab, als das Ausland von ihm abhängig
ist. Zwischen Käufer und Verkäufer ist die Abhängigkeit durchaus
gegenseitig. Nur in einem Falle kann der Ausdruck gerechtfertigt
werden: wenn ein fremdes Land alleiniger Lieferant gewisser
Waren geworden ist; in dieser Hinsicht hält es dann den Käufer in
seiner Macht. List hatte eben das Manufakturmonopol Englands im
Auge, aber dieses Monopol besteht heute nicht mehr. ^
List spricht auch davon, „daß es zehnmal wichtiger ist, den
inneren Markt ... zu sichern“ (8. 270 u. 276). Diese Garantie ist
aber in seinen Gedanken notwendigerweise auf d i e Zeit beschränkt,
während der eine Nation sich bemüht, eine Industrie zu schaffen,
denn später wird im Gegenteil die fremde Konkurrenz erwünscht
sein, „um die Fabrikanten und Kaufleute vor Rückschritten und
Nachlässigkeit zu bewahren“ 2 ).
') „Nat. Syst, Ausg. Cotta, 1841, S. 263: „Der bloße Agrikulturstaat ist ein
unendlich minder vollkommener Zustand als der Agrikultur-Manufakturstaat. Ersterer
ist immer ökonomisch und politisch mehr oder weniger von denjenigen Nationen
abhängig, die ihm Agriknlturprodukte gegen Manufakturwaren abnehmen. Er kann
nicht für sich selbst bestimmen, wie viel er produzieren will, er muß warten, wie
viel andere von ihm kaufen wollen.“
2 ) „Eine zur Manufaktursuprematie gelangte Nation vermag nur durch freie
Einfuhr von Lebensmitteln und Rohstoffen, und durch die Konkurrenz fremder
Manufakturwaren ihre eigenen Manufakturisten und Kaufleute gegen Rückschritte
und Indolenz zu bewahren“ (Nat. Syst. S. 274, Ausg. Cotta, 1841). England gibt
er auf Grund dieser Theorie den Rat, seine Zollschranken fallen zu lassen, während
Erankreich, Deutschland und die Vereinigten Staaten die ihren beibehalten dürfen-