Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

352

Zweites  Buch.  Die  Gegner.

Bedingung  die  fast  vollständige  Zahlungsfähigkeit  der  Kunden  voraussetzen.

2.  Nehmen  wir  aber  an,  daß  diese  praktische  Bedingung  erfüllt
sei,  und  daß  diese  Bons  im  Umlauf  wären;  würde  der  „Zins“  deshalb
verschwunden  sein?  In  keiner  Weise,  und  hierin  liegt  der  Grundirrtum ­
  des  Gedankens.
Weshalb  erhebt  die  Banque  de  France  einen  Diskont?  Einfach
deshalb,  behauptet  Pboudhon,  weil  sie  Bargeld  an  Stelle  von  Wechseln
gibt,  so  daß  das  „Herrenrecht,  das  man  Diskont  nennt“  1 ),  da  es  nur
von  dem  Gebrauch  von  Metallgeld  herrührt,  mit  seiner  Abschaffung
verschwinden  müßte.  —  Das  ist  ein  Irrtum.  Wenn  die  Bank  sich
einen  Diskont  zahlen  läßt,  so  beruht  das  darauf,  daß  sie  heute  eine
sofort  verwertbare  Ware  liefert  gegen  den  Wert  eines  Wechsels,
der  erst  in  einigen  Monaten  realisierbar  ist.  Sie  gibt  daher  eine
Wirklichkeit  in  Tausch  gegen  ein  Versprechen,  ein  schon  jetzt  verfügbares ­
  Gut  in  Tausch  gegen  ein  erst  später  verfügbares.  Was
die  Bank  erhebt,  ist  der  Unterschied  zwischen  dem  Wert  des  Wechsels
am  Tage,  an  dem  sie  ihn  diskontiert,  und  seinem  Wert  am  Tage  des
Verfalls,  ein  Unterschied,  der  nicht  von  dem  Willen  der  Bank,  oder
von  dieser  oder  jener  Geldart  abhängt,  sondern  in  der  Natur  der
Sache  liegt.  Pkoudhon  kann  tun,  was  er  will,  der  Terminhandel
und  der  Verkauf  gegen  bar  sind  und  bleiben  zwei  ganz  verschiedene ­
  Vorgänge 2 ),  solange  als  der  tatsächliche  gegenwärtige
Besitz  eines  Gutes  für  vorteilhafter  betrachtet  wird,  als  sein  späterer
Besitz.
Dieser  Unterschied  würde  auch  bei  der  Tauschhank  sehr  bald
wieder  zutage  treten,  und  zwar  auf  folgende  Weise.  Alle  „Umlaufbons“ ­
  stellen  Waren  vor,  die  für  einen  späteren  Zeitpunkt  verkauft
sind.  Wenn  die  Bank  darauf  verzichtet,  einen  Diskont  zu  erheben,
so  berührt  das  nicht  den  Vorteil,  den  die  Kaufleute  daran  haben
würden,  in  bar  bezahlt  zu  werden.  Um  diesen  Vorteil  zu  behalten,
werden  sie  ihren  Käufern,  die  in  bar  bezahlen,  d.  h.  den  Käufern,
die  sie  entweder  in  Waren,  oder  in  Edelmetallen  (die  doch  ebenfalls ­
  nur  Waren  sind),  bezahlen,  einen  geringen  Rabatt  auf  die  in
Papiergeld  ausgedrückten  Preise  gewähren.  So  würden  sich  sehr

Organisation  du  credit,  (Buvres,  Bd.  VI,  S.  113—114.
2 )  Pkoüdhon  erklärt  beständig,  daß  seine  Reform  darin  bestehe,  den  Verkauf
auf  Kredit  in  einen  Verkauf  gegen  bar  zu  verwandeln.  Ebenso  gut  kann  man
aber  sagen,  daß  man  von  jetzt  ab,  weiß  mit  schwarz,  und  schwarz  mit  weiß  bezeichnen ­
  wird.  Weit  entfernt,  die  Reziprozität  im  Austausch  zu  verwirklichen,
räumt  man  dem  Borger  einen  Vorteil  ein.  „Kredit  geben,  bedeutet  austauscben“
sagt  Phoddhon  noch.  Ganz  recht,  aber  gerade  der  Diskont  stellt  in  dieser  besonderen ­
  Anstauschoperation,  die  man  Kredit  nennt,  die  Gleichheit  der  Werte  her.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.