Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  V.  Proudhon  und  der  Sozialismus  von  1848.

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schnei]  zwei  Keilten  von  Preisen  ergeben:  eine  in  Papiergeld  für  die
Verkäufe  auf  Zeit,  und  eine  für  Metallgeld  für  die  Verkäufe  gegen
bar.  Die  ersteren  werden  höher  als  die  zweiten  sein,  und  der
Unterschied,  den  die  Tauschbank  zu  erheben  ablehnt,  würde  yon
den  Verkäufern  selbst  erhoben  werden.  Der  Geldzins  würde  daher
wieder  in  Erscheinung  treten,  aber  unter  einer  neuen  Form.
Hierauf  würde  Proudhon  vielleicht  erwiederu,  daß  die  Anhänger
der  Tauschbank  infolge  ihrer  Zustimmung  zu  den  Statuten  sich  verpflichtet ­
  haben,  von  jedem  derartigen  Agio  abzusehen.  Dann  aber,
selbst  wenn  sie  ihrem  Versprechen  treu  bleiben,  folgt  die  Abschaffung
des  Diskonts  oder  der  Zinsen  nicht  aus  der  Organisation  der  Tauschbank, ­
  sondern  aus  dem  freien  Willen  der  Kunden.  Es  würde  dies
einfach  auf  die  Abschaffung  des  Zinses  auf  Grund  gegenseitigen
Übereinkommens  hinauslaufen,  —  eine  ausschließlich  moralische
Reform,  für  die  aber  jeder  Bankmechanismus  entbehrlich  ist  und  die
«ich  vielleicht  nur  etwas  langsam  durchsetzen  würde!
Die  Tauschbank  wird  daher  den  Diskont  nicht  abschaffen,  und
folglich  auch  nicht  das  „Herrenrecht“  im  allgemeinen  —  womit  die
rinderen  Folgerungen  Proudhon’s  von  selbst  hinfällig  werden.
Sein  theoretischer  Fehler  beruht  darauf,  daß  er  das  Geld  bald
als  Kapital  par  excellence  betrachtet  und  bald  nur  als  einfaches
Tauschmittel  ohne  wirklichen  Eigenwert.  Er  vergißt,  daß  das  Geld
nicht  nur  als  Tauschmittel  begehrt  wird,  sondern  auch  als  Mittel
zur  Anhäufung  von  Schätzen  und  Ersparnissen,  als  Wertreserve;
und  daß  die  ümlaufbons  es  wohl  in  jener  einen  Funktion,  aber  durchaus ­
  nicht  in  allen  ersetzen  können.  Man  kann  die  Umlaufsmittel
nach  Belieben  vermehren,  aber  nicht  das  Kapital.  Wenn  Proudhon
das  Geld  durch  Bons  ersetzt,  so  erhöht  er  das  in  der  Gesellschaft
vorhandene  Kapital,  von  dem  das  Geld  einen  Teil  darstellt,  nicht
um  einen  Pfennig.  Und  weiterhin  vermindert  er  um  nichts  die  Überlegenheit ­
  des  Wertes  der  gegenwärtigen  gegenüber  den  zukünftigen
Gütern,  —  eine  Überlegenheit,  auf  der  die  Höhe  der  Zinsen  beruht.
Die  Vermehrung  der  Umlaufbons  ohne  gleichzeitige  Vermehrung  des
sozialen  Kapitals  hat  keine  andere  Wirkung,  als  alle  Preise  zum
Steigen  zu  bringen,  die  des  Bodens,  der  Häuser  und  der  Maschinen  •
ebenso,  wie  die  der  Verbrauchsgegenstände.  Da  die  Kapitalien  nicht
zahlreicher  als  früher  sein  werden,  werden  sie  wie  früher  vermietet
werden,  aber  die  Pachtsummen  und  Mieten  unterliegen  der  Wirkung
der  allgemeinen  Preissteigerung,  —  und  werden  daher  ebenfalls
höher  werden  .  .  .  ein  eigentümlicher  Erfolg  einer  Reform,  die  den
Zins  gerade  abschaffen  sollte;  Proudhon  legt  der  Herrschaft  des
Goldes  zuerst  eine  übertriebene  Bedeutung  bei  und  nimmt  dann  die
Formel  J.-B.  Say’s  zu  wörtlich:  „Produkte  kaufen  sich  mit  Produkten“,
Gide  und  Rist,  Gesoh.  d.  Volkswirtschaft!.  Lehrraeinungen.  23
            
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