Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  I  Die  Optimisten.

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die  sie  anscheinend  schafft,  heilen,  während  die  Einmischung  des
Staates  die  Übel,  die  sie  zu  heilen  scheint,  immer  vergrößert 1 ).
Noch  merkwürdiger  erscheint  aber,  daß  der  Assozialismus,  wie
wir  ihn  in  dem  vorhergehenden  Kapitel  dargelegt  haben,  in  den
Augen  der  französischen  Schule  nicht  mehr  Gnade  findet,  als  der
Staatssozialismus.  Zwar  hat  sie  nicht  das  ganze  Mißtrauen  der
französischen  Revolution  gegen  das  Recht  der  Assoziation  restlos
übernommen.  Sie  verurteilt  nicht  mehr,  ja  sie  verlangt  sogar  formell
die  Freiheit  der  Assoziation  in  der  Politik,  in  der  Religion,  in  der
Industrie,  im  Handel  und  in  der  Arbeit,  einschließlich  sogar  des
Koalitionsrechtes,  mit  einem  Wort,  sie  verlangt  diese  Freiheit  überall
dort,  wo  die  Assoziation  nur  die  individuelle  Tätigkeit  schützt  oder
stärkt;  —  sobald  aber  die  Assoziation  sich  als  ein  Instrument  der
sozialen  Umformung  darstellt,  sobald  sie  vorgibt,  die  Konkurrenz
durch  die  Kooperation  zu  ersetzen,  sobald  sie  im  Namen  der  Solidarität ­
  von  dem  Individuum  gewisse  Opfer  zugunsten  der  Allgemeinheit ­
  verlangt,  dann  ruft  die  individualistische  liberale  Schule:
„Halt!“  Und  auch  in  ihren  abgeschwächten  und  nur  teilumfassenden
Formen  wie  Kooperativismus,  Mutualismus  oder  Gewerkschaftswesen
erschien  ihr  der  Assozialismus  (und  erscheint  ihr  auch  heute  noch)
nicht  gerade  als  schlecht,  aber  als  trächtig  mit  Illusionen  und  Enttäuschungen ­
  2 ).
Der  Optimismus  der  französischen  Schule  charakterisiert  sich
daher  hauptsächlich  durch  einen  absoluten  Glauben  an  die  Freiheit.
Es  ist  das  das  besondere  Kennzeichen  der  Schule,  das  seit  mehr  als
anderthalb  Jahrhunderten  sich  nie  geändert  hat,  seit  den  Physiokraten
bis  heute.  Oftmals  hat  sie  durch  den  Mund  ihrer  bedeutendsten
Vertreter  erklärt,  daß  sie  alle  Etiketten  wie  „orthodox“  oder
„klassisch“,  die  man  ihr  aufzwingen  wollte,  zurückweise  und  keinen
anderen  Namen  als  den  der  „freiheitlichen“  Schule  begehre 3 ).
')  „Sobald  die  Befriedigung  eines  Bedürfnisses  Gegenstand  einer  öffentlichen
Behörde  wird,  hat  das  Individuum  .  .  .  einen  Teil  seiner  freien  Selbstbestimmung
verloren,  wird  es  weniger  fortschrittlich,  ist  es  weniger  menschlich  .  .  .  Diese  moralische ­
  Lähmung,  von  dem  es  befallen  wird,  befällt  aus  dem  gleichen  Grunde  alle
anderen  Bürger“  (Bastiat,  Harmonies,  Kap.  XVII,  S.  545).
2 )  Dunoybr  sagt:  „Man  vertiefe  sich  so  viel  man  will  in  die  Frage  der  Assoziationen, ­
  man  wird  darin  niemals  das  finden,  was  man  in  ihnen  sucht:  ein  Mittel,
eine  vernünftige  und  gerechte  Verteilung  der  Arbeitserzeugnisse  zu  sichern.“
(Liberte  du  Travail,  Bd.  II,  S.  397).
An  anderer  Stelle  versichert  er,  daß  die  Assoziation  „die  soziale  Moral  noch
mehr  als  die  des  Individuums  verdorben  hat,  weil  man  alles  für  erlaubt  hielt,  solange ­
  man  im  Namen  der  Assoziation  handelte“  (ebenda,  S.  136).  Allerdings
handelt  es  sich  hier  hauptsächlich  um  die  korporative  Assoziation,  doch  hat  diese
Beurteilung  eine  allgemeine  Bedeutung.
3 )  Auf  einer  internationalen  Versammlung  von  Volkswirtschaftlern  zur  Zeit
            
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