Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  I.  Die  Optimisten.

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dessen  jedes  Eigentum  auf  die  Arbeit  gegründet  ist.  Obgleich  die
Methode  Bastxat’s  sehr  von  einem  a  priori  Standpunkt  ausging  und
;so  wenig  realistisch  wie  möglich  war,  konnte  er  sich  doch  nicht  mit
einer  Auffassung  begnügen,  die  zu  klar  mit  den  Tatsachen  in  Widerspruch ­
  stand,  denn  sie  war  nicht  imstande,  zu  erklären,  warum  z.  B.
der  Wert  einer  zufällig  gefundenen  Perle  dem  einer  mit  Mühe  vom
•Grunde  des  Meeres  heraufgeholten  Perle  gleich  ist.  Daher  sucht  er
eine  andere  Erklärung,  die  ebenso  normativ  wie  die  Eicaedo’s  sein
sollte,  aber  mehr  mit  den  Tatsachen  in  Einklang  stand.
Nun  hatte  gerade'CAEEY, v um  die  Theorie  Ricardo’s  zu  berichtigen,
eine  andere  sehr  geistreiche  aufgestellt;  nämlich,  daß  der  Wert  nicht
von  der  geleisteten  Arbeit,  sondern  von  der  ersparten  Arbeit
bestimm/  wird.  Diese  Theorie  ließ  sich  ausgezeichnet  mit  den  der
Theorie  Ricaedo’s  widerstrebenden  Tatsachen  in  Übereinstimmung
bringen;  sie  erklärte  die  Hypothese  der  gefundenen  Perle  sehr  gut.
Bastiat  griff  sie  begierig  auf 1 ).  Immerhin  genügte  sie  ihm  noch
nicht  ganz,  weil  man  nicht  recht  versteht,  wie  die  Tatsache,  daß  der
Wert  im  Verhältnis  zu  der  ersparten  Arbeit  stehe,  —  das  heißt
nämlich,  was  wohl  zu  bemerken  ist,  im  Verhältnis  zu  einer  Arbeit,
die  niemals  geleistet  worden  ist  und  niemals  geleistet  werden  wird!
—  als  eine  wirtschaftliche  Harmonie  betrachtet  werden  kann.  Da
erleuchtet  ein  Lichtstrahl  ^seinen  yGeist:  ^  Ist  diese  ersparte  Arbeit
nicht  ein  dem  Erwerber  geleisteter  Dienst?  Damit  hat  er  die
«o  lange  gesuchte _ Ehklärung  endlich  gefunden:  „Der  Wert  ist
das  Verhältnis  zweier  ausgetauschter  Dienste“ 2 )A  Und
da  nun  alles  Eigentum  und  alles  Vermögen  nichts  weiter  ist  als  eine
Summe  von  Werten,  so  kann  man  auch  sagen,  daß  das  Eigentum
eines  jeden  nur  die  Summe  der  von  ihm  geleisteten  Dienste  ist.
Hier  haben  wir  die  Harmonie.  Was  kann  man  besseres  wünschen?
Bastiat  gerät  in  Exstase,  'diese  Forme?''  gefunden  zu  haben.  1  Sie  erklärt
  alles,  sie  'gleicht  alle  Widersprüche  aus,  löst  alle  Schwierigkeiten
  und  gibt  zugleich  den  Schlüssel  zu  der,  die  das  Kreuz  der
Volkswirtschaftler  war:  warum  der  Diamant  wertvoller  als  das
Wasser  sei?  Antwortet  sie  doch;  einfach  deshalb,  weil  der,  der  mir
einen  Diamanten  abläßt,  mir  einen  größereren  Dienst  leistet  als  der,
der  mir  ein  Glas  Wasser  gibt,'—  wenn  ich  nicht  gerade  auf  dem
Floß  der  Schiffbrüchigen  der  Medusa  bin.  Aber  auch  in  diesem

ü  „Ich  habe  naohgewiesen,  daß  die  Grundlage  des  Wertes  weniger  die  dem
■Gebenden  verursachte  Mühe,  als  die  dem  Empfangenden  ersparte  Mühe  ist
(hier  wäre  es  gerecht  gewesen,  Cabey  zu  zitieren!),  und  deshalb  habe  ich  sie  in  etwas
verlegt,  das  diese  beiden  Bestandteile  umfaßt:  den  Dienst“  (Harmonies,  Kap.  IX,
2 )  Harmonies,  Kap.  V,  S.  145.
            
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