IKapitel II. Höhepunkt und Niedergang der klassischen Schule. Stua «gmi,
verwirklicht ist. Wir haben gesehen, welchen großen Pr
dem Monopol in der heutigen wirtschaftlichen Organisation
Die Herrschaft der freien Konkurrenz ist heute ebeusoweru|
wirklicht, sagen sie, wie die Herrschaft des Sozialismus: es ist
daher ebenso ungerecht, sie auf Grund der gegenwärtigen Fehler be
urteilen zu wollen, als wenn man den Kollektivismus auf Grund
dessen beurteilen wollte, was sich zum Beispiel in den Staatswerk
stätten begibt.
3.‘Das Gesetz der Bevölkerung. '' Dieses Gesetz nimmt einen
sehr großen Platz in der klassischen Doktrin ein, und sogar die
optimistischen Nationalökonomen wagen es nicht, ihm geradenwegs zu
widersprechen. Von allen Volkswirtschaftlern ist Stuabt Mill am
meisten von ihm durchdrungen 1 ). Er geht sogar viel weiter als Malthus,
weil er sich nicht auf rein ökonomische Gründe stützt, sondern auch
auf moralische, die Malthus weniger bekümmert zu haben scheinen,
nämlich die Achtung des Rechtes und der Freiheit des Weibes, die
kaum befragt wird, wenn es sich darum handelt, ihr die Mutterschaft
aufzubürden 2 ). Hierin ist daher Stuart Mill schon Neo-Malthusianer.
Die Tatsache, eine zahlreiche Familie zu haben, erscheint ihm wie
der Ausdruck eines Lasters, das ebenso ekelhaft ist, wie die Trunk
sucht 3 ). Und wiederholt erklärt er, daß die Arbeiterklasse keine
Hoffnung irgendwelcher Art auf eine Besserung ihres Schicksals hat,
wenn sie nicht damit beginnt, das Wachstum der Bevölkerung ein
zuschränken. Einer der Gründe, weshalb er dem kleinbäuerlichen
Besitz günstig gesinnt ist, liegt darin, daß er eine Beschränkung der
Kinderzahl bewirkt. Er konstatiert: das Wachstum der französischen
*) „Umsonst wird man sagen, daß jeder Mund, den die Gesellschaft zum Leben
ruft, Arme mit sich bringt; die neuen Münder brauchen ebenso viel Unterhaltungs
mittel, und die Arme erzeugen weniger“ (Principles, Bd. I, Buch I, Kap. 13, § 2).
2 ) „Es ist niemals durch den Willen der Frau, daß die Familien zahlreich
werden: auf der Frau lastet außer den physischen Schmerzen und ihrem Teil der
Entbehrungen die unerträgliche Hausarbeit, die sich aus einer zu großen Kinder-
aahl ergibt“ (Principles, Bd. I, II, Kap. 13, § 2).
3 ) „Während ein Mann, der sich betrinkt, von allen anständigen Leuten ver
achtet und verabscheut wird, so ist dagegen einer der hauptsächlichsten Gründe, mit
dem sich die Menschen an die Wohltätigkeit wenden, der, daß der Bittsteller eine
zahlreiche Familie zu ernähren habe!“ (Bd. I, II, Kap. 13, § 1).
Und als Anm.: „Man kann kaum hoffen, daß die Moralität Fortschritte mache,
■solange man nicht dazu gelangt ist, den Kinderreichtum mit derselben Verachtung
anzusehen, wie die Trunksucht oder alle anderen körperlichen Ausschweifungen.
Solange aber die Aristokratie und die Geistlichkeit die ersten sind, das Beispiel der
Unmäßigkeit zu geben, was soll man da von den Armen erwarten?“
Er beklagt sich darüber, daß die christliche Eeligion, durch einen selbst
zufriedenen Glauben an die Vorsehung den Anschein erweckt, als ob Gott zahlreiche
Familien segne.