Kapitel II. Der Staatssozialismus.
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in der öffentlichen Meinung- zu schaffen, mußten günstigere Um
stände eintreten. Das war erst im letzten Drittel des Jahrhunderts
der Fall, und es war in Deutschland, wo dieser Umschwung sich
vollzog.
Er bestand, so scheint es uns, weniger in der Schaffung einer
neuen Lehre als in der Verschmelzung einer doppelten Strömung
älterer Ideen, die wir zunächst untersuchen müssen.
Man sieht auf der einen Seite im Laufe des 19. Jahrhunderts
eine Reihe von Volkswirtschaftlern, obgleich sie von den grundlegenden
Gedanken Smith’s ausgegangen sind, dennoch das Prinzip des Laisser-
faire nach und nach einschränken, seinen wissenschaftlichen Beweis
nicht mehr als feststehend ansehen und in einer großen Zahl von
Fällen die Einmischung des Staates verlangen.
Auf der anderen Seite findet man einige Sozialisten, die oppor
tunistischer als die anderen sind. Auch wenn sie dem Privateigentum
und der Produktionsfreiheit feindlich gegenüberstehen, so wollen sie
doch schon jetzt und so schnell wie möglich eine Erleichterung des
Elends der Arbeiterklasse herbeiführen. Zu diesem Zweck wenden
sie sich an die bestehenden Regierungen.
Der Staatssozialismus vollzieht die Vereinigung dieser beiden
Strömungen. Durch sein robustes Vertrauen in den geistigen Hoch
stand der Machthaber geht er etwas weiter als die einen; von den
anderen trennt ihn seine Anhänglichkeit an das Privateigentum: aber
die hauptsächlichsten Punkte seines Programms entlehnt er den einen
wie den anderen. Es kommt daher zunächst darauf an, darzulegen,
wie diese beiden Strömungen sich gebildet haben. Später werden
wir sehen, unter der Herrschaft welcher Umstände ihr Zusammen
treffen sich vollzogen hat.
§ 1. Die Kritik des Laisser-faire bei den Ökonomisten.
Zunächst wurden die wirtschaftlichen Argumente des Laisser-faire
seit Adam Smith einer immer schärfer werdenden Analyse unter
worfen. Eine ununterbrochene Kette von Schriftstellern, die nicht
Sozialisten waren, haben im Laufe des 19. Jahrhunderts in seine Auf
fassungen Bresche gelegt und nachgewiesen, wie sehr die praktischen
Schlußfolgerungen des großen schottischen Volkswirts die Tragweite
seiner Beweise überschritten.
Für Adam Smith beruhte die Politik des Laisser-faire auf dem
Prinzip der natürlichen Identität der privaten und der allgemeinen
Interessen. Er hatte nachgewiesen, daß die Konkurrenz selbsttätig
die Preise auf das Niveau der Produktionskosten erniedrigt, daß das
Angebot sich durch einen automatischen Mechanismus der Nachfrage