Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  II.  Der  Staatssozialismus.

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sächlich  das  Werk  Adolf  Wagneb’s  B  in  seiner  1876  erschienenen
Grundlegung *  2 ).
Wir  werden  nun  versuchen,  die  selbständigen  Beiträge  des  Staatssozialismus ­
  von  denjenigen  Bestandteilen  seiner  Lehre  zu  sondern,
die  er  den  früheren  Nationalökonomen  verdankt.  Die  Aufgabe  ist
nicht  leicht.  Wie  jede  praktische  Lehre,  die  hauptsächlich  dazu  bestimmt ­
  ist,  die  Ziele  einer  Gruppe  -von  Menschen  oder  einer  Epoche
zusammenzufassen  und  als  Vermittlerin  zwischen  oft  unvereinbaren
Prinzipien  zu  dienen,  entbehrt  sie  der  scharfen  Umrisse,  die  ein
individuelles  und  rein  theoretisches  System  charakterisieren.  Sie  hat
ihre  Gedanken  verschiedenen  Quellen  entlehnt,  ohne  sich  immer  darum
zu  bemühen,  sie  in  Übereinstimmung  zu  bringen.
Vor  allem  ist  sie  eine  Reaktion,  nicht  gegen  die  grundlegenden
Gedanken  der  englischen  Klassiker,  wie  es  manchmal  geglaubt  wird,
sondern  gegen  die  Übertreibungen  ihrer  späteren  Schüler,  der  Bewunderer ­
  Bastiat’s  oder  Cobdbn’s,  der  Optimisten  in  Frankreich  und
der  „Manchestermänner“  in  Deutschland.  Das  auf  dem  Kongreß  zu
Eisenach  von  Schmollee  verfaßte  Manifest  spricht  nur  von  der
„Manchesterschule“.  Die  Klassiker  erwähnt  es  nicht 3 ).  Allerdings
sind  bei  vielen  deutschen  Schriftstellern  „Smithianismus“  und  „Manchestertum“ ­
  gleichbedeutend.  Dies  sind  jedoch  Auswüchse  der  Polemik,
denen  man  keine  zu  große  Bedeutung  beilegen  darf.  Der  Liberalis0 ­
  Neben  Adolf  Wagner  kann  man  Albert  Schäpflb  anfiihren,  der  eine  außerordentliche ­
  literarische  Tätigkeit  entfaltet  hat,  aber  eben  so  sehr  Soziologe,  wie
Volks  Wirtschaftler  ist.  In  seinem  großen  Werk:  Bau  und  Leben  des  sozialen
Körpers  (1875—1878)  hat  er  eine  organische  und  biologische  Theorie  der  Gesellschaft
niedergelegt;  sein  bekanntestes  Buch  ist  aber  eine  kurze  Darlegung  des  Sozialismus
unter  dem  Titel:  Die  Quintessenz  des  Sozialismus  (1875),  das  in  viele
Sprachen  übersetzt  worden  ist,  darunter  von  Benoit  Malon  ins  Französische.
2 )  Die  Hauptwerke  Adolf  Wagnbr’s,  in  denen  sich  die  Ideen  und  das  Programm
des  Staatssozialismus  niedergelegt  finden,  sind:  seine  Grundlegung  (1.  Ausg.  1876);
seine  Finanz  Wissenschaft;  sein  Aufsatz  Staat  ira  Handwörterbuch  der
Staatswissenschaften,  und  besonders  zwei  Aufsätze,  die  unter  dem  Namen:
Einanzwissenschaft  und  Staatssozialismus  in  der  Zeitschrift  für
die  gesamte  Staatswissenschaft  1887,  S.  37—122  und  8.675—746  veröffentlicht ­
  wurden.  —  Weiterhin  wird  man  mit  Nutzen  auch  zwei  Reden  von  ihm  lesen:
die  eine  vom  29.  März  1895,  Sozialismus,  Sozialdemokratie,  Katheder-End
  Staatssozialismus;  und  die  andere  vom  21.  April  1892,  Das  neue
sozialdemokratische  Programm.
3 )  Es  ist  z.  B.  interessant,  festzustellen,  daß  die  Definition  des  Bereiches  und  der
Aufgaben  des  Staates,  wie  sie  Wagner  gibt,  sich  sehr  der  von  uns  oben  angeführten
Definition  A.  Smith’s  nähert,  aber  im  Gegenteil  sich  stark  von  der  Bastiat’s  unterscheidet: ­
  Er  sagt:  „Die  allgemeine  Regel  lautet:  der  Staat  hat  diejenigen  Tätigkeiten
zur  Befriedigung  der  Bedürfnisse  seiner  Angehörigen  selbst  zu  übernehmen,  welche
weder  die  Privatwirtschaften,  noch  freie,  noch  andere  Zwangswirtschaften  (Selbstverwaltungskörper) ­
  überhaupt  oder  welche  alle  diese  nur  weniger  gut  oder  nur  kostpieliger
ausführen  können.“  (Grundlegung,  3.  Ausg.  1892,  S.  916,  6.  Bd.  5.  Kap.  §  377.)
            
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