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Viertes Buch. Die Abtrünnigen.
und die autoritäre Tätigkeit des Staates haben sich zu jeder Zeit
in das wirtschaftliche Feld geteilt. Nicht nur hat das erste niemals
genügt, sondern es tritt in den großen, modernen Nationen mehr und
mehr vor der dritten zurück. Von hier darauf zu schließen, daß diese
Ausdehnung nützlich und notwendig ist, daß sie „ein wirkliches
historisches Gesetz“ sei ’), ist nur ein Schritt. Fast ohne besonders
darauf hingewiesen zu werden, gelangt man von der Tatsache zu
ihrer Berechtigung. Ädoli? Wagner sagt: „Wer, was namentlich für
volkswirtschaftliche, soziale und politische Entwicklungen das Ent
scheidende ist, die immanente Tendenz der Bewegung erkannt
hat . . der kann und darf bei einer solchen geschichtlichen
Auffassung des gesellschaftlichen Entwicklungsprozesses sehr wohl...
für die gegebene Zeit Postulate in betreff dessen, was geschehen
soll, aufstellen“ * 2 ). Auf Grund dieses Gedankens verlangt man daher
die Ausdehnung des staatlichen Machtbereiches, den man durch seine
Funktion „der Kultur und des Wohlfahrtszweckes“ rechtfertigt. Es
fällt nicht schwer, hierin den Gedanken Eodbeetus’ und seine Theorie
der wachsenden Entwicklung der Organe wiederzuerkennen, die zur
Ausübung der Regierung bestimmt sind 3 ), im Maßstabe, wie man in
der Stufenfolge der sozialen Formen fortschreitet.
Auch hierin ist die Übereinstimmung mit Dupont-White, wenn
sie auch vielleicht zufällig ist, deshalb nicht weniger merkwürdig und
muß angeführt werden. Auch er verlangt für den Staat eine Funktion
der „Wohltätigkeit“ und der „Mildtätigkeit“ 4 ). Auch er weist nach,
wie der moderne Staat nach und nach sein Bereich vergrößert, indem
er an die Stelle der Lokalregierungen tritt, an die Stelle des Des
potismus der Klassen und der Familie, wie er nacheinander die Frau,
das Kind und den Sklaven unter seinen Schutz nimmt, und so den
Kreis seiner Pflichten und seiner Verantwortlichkeiten in dem Maße
vergrößert, wie die Fortschritte der Zivilisation und der Freiheit sich
vollziehen. „Mehr Leben“, sagt er, „braucht mehr Organe, vermehrte
Kräfte, mehr Kegeln. Die Regel und das Organ einer Gesellschaft
ist aber der Staat“ 5 6 ). Von seinem Enthusiasmus überwältigt, ging
er so weit, auszurufen: „Der Staat ist der Mensch, frei von allen
Leidenschaften, der Mensch, zu einer Höhe emporgehoben, wo er in
inniger Berührung mit der reinen Wahrheit ist, wo er nur Gott und
') Wagneb, Grundlegung, 3. Ausg. S. 892ff.
2 ) Finanzwiss. undStaatsoz., 8. 106. Diese Aufsätze finden sich in seiner
Polemik gegen L. von Stein und erschienen, wie schon gesagt (S. 501, Anm. 2), 1887
in der Tübinger „Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft.“ (Anm. d. Übers.)
“) Siehe oben, 8. 492.
, 4 ) Dupont-White, Capital et Trayail (1847), 8. 353 und L’Individu et
l’Etat, S. 81.
6 ) L’Individu et l’Etat, 8. 65.