Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  III.  Der  Marxismus.

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fahren,  wohin  sie  führt.  Letzten  Zieles  handelt  es  sich  um  die  Darlegung, ­
  wie  es  kommt,  daß  die  besitzende  Klasse  auf  Kosten  der
Lohnklasse  lebt.  Der  Gedanke  selbst  ist  nicht  neu.  Wir  haben  ihn
scTioh  verschiedentlich  formuliert  gesehen,  besonders  bei  Sismondi,
Saint-Simon,  PnouDHON  und  Kodbertus.  Ihre  Kritik  war  aber  mehr
sozial,  als  volkswirtschaftlich:  sie  richtete  sich  hauptsächlich  gegen  die
Herrschaft  des  Eigentums  und  seine  Ungerechtigkeiten.  Kabl  Marx
dagegen  entlehnt  seine  Waffen  mehr  der  volkswirtschaftlichen  Wissenschaft ­
  und  den  Gesetzen  des  Tausches.  Er  versucht  nachzuweisen,
daß  das,  was  man  Ausbeutung  nennt,  keine  andere  als  die  bestehende
Form  haben  kann.  Die  Ausbeutung  ist  das  unvermeidliche  Ergebnis
des  Tausches,  eine  ökonomische  Notwendigkeit,  der  die  Arbeitgeber
ebensowenig  wie  die  Arbeitnehmer  entgehen  können.
Um  das  zu  verstehen,  müssen  wir  etwas  zurückgehen,  und  zwar
zu  dem  Begriff  des  Wertes.  Marx  beginnt  mit  der  Darlegung,  daß
die  Arbeit  nicht  nur  der  Maßstab  oder  die  Ursache  —  sondern  die
Substanz  des  Wertes  ist.  Wie  wir  gesehen  haben,  war  dies  schon
die  Idee  Ricaedo’s,  der  sie  aber  nur  zögernd  aussprach  (s.  o.  S.  169).
Marx  jedoch  behauptet  ihre  Richtigkeit  kategorisch.  Gewiß,  er  bestreitet ­
  nicht,  daß  die  Nützlichkeit  die  notwendige  Bedingung  jeden
Wertes  sei,  und  sogar  die  einzige,  die  in  Betracht  kommt,  wenn  es
sich  um  den  Gebrauchswert  handelt.  Aber  der  Nutzen  kann  den
Tauschwert  nicht  erklären,  da  jedem  Tausch  etwas  gemeinsames  zugrunde ­
  liegt,  etwas  identisches  zwischen  den  ausgetauschten  Waren.
Woher  kommt  aber  diese  Identität?  Sicherlich  kann  sie  nicht
aus  dem  Nutzen  bestehen,  da  im  Gegenteil  der  Nutzen  jeder  Ware
verschieden  ist,  und  gerade  dieser  Unterschied  die  einzige  Ursache
des  Austausches  darstellt.  Dieses  gemeinsame  Quid,  in  dem  auch
die  heterogensten  Waren  homogen  sind,  ist  die  Arbeitsmenge,  die
sie  alle  enthalten,  mehr  oder  weniger.  „Als  Werte  sind
die  Waren  nichts  als  kristallisierte  Arbeit“.  Sie  sind  mehr  oder
weniger  wert,  je  nach  dem  sie  mehr  oder  weniger  von  dieser  sozialen
Arbeit  enthalten,  die  sich  an  der  Durchschnittszahl  der  auf  ihre  Herstellung ­
  verwendeten  Arbeitsstunden  mißt  ’).

')  Marx  weist  darauf  hin,  daß  schon  Aristoteles  sich  über  die  Tatsache  gewundert ­
  habe,  daß  verschiedene  Gegenstände  etwas  gemeinsames  haben,  da  sie  sich
gegen  einander  austauschen,  und  folglich  gerade  durch  diesen  Austausch,  als
gleichwertig  erklärt  w r erden.  Man  sagt,  5  Betten  sind  gleich  einem  Haus.  „Worin
besteht  nun  aber  das,  ich  weiß  nicht  recht  was,  gleichwertige,  d.  h.  die  gemeinsame ­
  Substanz,  die  das  Haus  und  die  Betten  darstellen?  —  Etwas  derartiges“,
sagt  Aristoteles,  „bann  doch  eigentlich  nicht  bestehen.  —  Warum  nicht?  Das
Hans  stellt  gegenüber  den  Betten  etwas  gleiches  dar;  nämlich  die  menschliche  Arbeit“.
„Sieht  man  vom  Gebrauchswert  der  Warenkörper  ab,  bleibt  ihnen  nur  noch
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