Bis jetzt haben wir nur von der Arbeit gesprochen, aber die
Hauptperson, der Held des Buches Karl Marx’, ist das Kapital,
wie ja auch der Titel besagt. Unsere Darlegung der marxistischen
Lehre über die Produktion würde daher sehr unvollkommen sein,
wenn wir nicht auch ausführten, wie Marx die Eolle des Kapitals
in der Produktion versteht.
An und für sich ist das Kapital selbstverständlich und ohne jede
Frage steril, da ja die Voraussetzung lautet, daß die Arbeit allein
den Wert schallt. Die Arbeit kann aber ihre produktiven Fähig
keiten nicht ausüben, ohne eine gewisse Menge Kapital zu verbrauchen,
und es kommt darauf an, zu erfahren, wie das Kapital sich mit der
Arbeit verbindet.
Marx unterscheidet im Kapital zwei Teile:
1. Denjenigen, der dazu dient, die Arbeiterbevölkerung in Ge- ■
stalt von Löhnen oder Existenzmitteln zu erhalten. Die alten Öko- .
nomisten nannten dies den Lohnfonds, und er selbst nennt es das
variable Kapital. Wenn dieses variable Kapital auch nicht
selbst produziert, so erzeugt es doch, indem es von der Arbeit ver
braucht wird, den Wert und den Mehrwert. —
2. Denjenigen, der einfach dazu dient, die Arbeit in Gestalt von
Werkzeugen, Maschinen, Gebäuden und so weiter zu unterstützen, und
den Marx das konstante Kapital nennt. Da es nicht wie das
andere von der menschlichen Arbeit absorbiert und belebt wird,
kann es keinen Mehrwert hecken. Es produziert nichts, aber es repro
duziert doch etwas, nämlich seinen eigenen Wert, in dem Maße wie
dieser im Laufe des Produktionsprozesses verbraucht wird. Tatsächlich 1
ist dieses konstante Kapital offenbar selbst nur das Produkt einer Arbeit;
es ist geronnene Arbeit, und sein Wert wird, wie der eines jeden anderen
Erzeugnisses, von der Zahl von Arbeitsstunden bestimmt, die es ge
kostet hat. Dieser Wert muß sich daher wieder finden, — gerade wie
der der Rohstoffe, gerade wie der der Arbeitskraft selbst, — und
zwar im Wert des endgültigen Produktes: mehr aber nicht. Es ist
das, was die Volks Wirtschaft! er Amortisation nennen. Jedermann weiß
aber, daß Amortisation nicht Profit ist x ).
*) Ein Töpfer z. B. macht einen Topf an jedem Arbeitstag von 10 Stunden,
indem er nur seine Hände zu seiner Arbeit benutzt: jeder Topf ist daher 10 Stunden
wert. Nun bedient sich aber der Töpfer eines Instrumentes, eines Drehtisches, das
ein konstantes Kapital vorstellt. Um den Drehtisch herzustellen, hat er 100 Arbeits
stunden aufwenden müssen. Wenn er fortfährt, nur einen Topf täglich zu machen (eine
vollständig widersinnige Annahme, da er in diesem Pall sich nicht die Mühe genommen
haben würde, den Drehtisch anzufertigen! doch wollen wir diesen Einwurf unbeachtet
lassen), so würde der Wert eines jeden Topfes von jetzt ab 10 Arbeitsstunden plus
100 Arbeitsstunden ge teilt durch x sein; hierbei stellt x die Zahl der Töpfe
vor, die der Drehtisch bis zu seinem endgültigen Verbrauch herzustellen gestattet.
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