Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

524

Viertes  Buch.  Die  Abtrünnigen.

Bei  aller  Hochachtung  vor  dieser  geistsprühenden  Dialektik
dürfen  wir  uns  nicht  soweit  davon  blenden  lassen,  daß  wir  die
brutale  Tatsache  nicht  mehr  sehen,  die  sie  zu  verhüllen  bezweckt,
und  dennoch  implizite  zugeben  muß,  nämlich,  daß  die  Höhe  des
Profits  (also  auch  der  Wert  des  Produktes,  was  wohl  zu  beachten
ist,  da  das  eine  das  andere  bedingt!)  durch  die  Konkurrenz  geregelt
wird,  d.  h.  durch  das  Gesetz  des  Angebotes  und  der  Nachfrage,
ohne  jede  notwendige  Verbindung  mit  der  Menge  der  aufgewandten
Arbeit!  Hieraus  erkennt  man,  daß  der  Unternehmer,  anstatt  seine
Gewinne  im  gleichen  Maßstabe,  wie  er  weniger  menschliche  Arbeit
verwendet,  geringer  werden  zu  sehen,  dadurch  im  Gegenteil  einen
immer  größeren  Vorteil  hat!  Dieser  Widerspruch  ist  gerade  einer
der  Hisse,  die,  wie  wir  sehen  werden,  den  Zusammenbruch  des  majestätischen ­
  marxischen  Gebäudes  nach  sich  ziehen  sollten.
§  2.  Das  Gesetz  der  Konzentration  oder  Expropriation.
Auf  Grund  der  entsprechend  ausgelegten  Wirtschaftsgeschichte
sucht  das  sogenannte  Konzentrationsgesetz  nachzuweisen 1 ),  daß  die
der  Arbeiterklasse,  teilen,  d.  h.  nicht  nur  die  Industriellen,  sondern  auch  die  Kaufleute, ­
  Rentiers  usw.,  —  während  der  Profit  nur  jener  Teil  des  Mehrwertes  ist,  der
in  den  Händen  der  Unternehmer  bleibt,  die  unmittelbar  Lohnempfänger  beschäftigen.
Die  Höhe  des  Profits  ist  übrigens  ganz  verschieden  von  der  des  Mehrwertes,  wie  wir
oben  besonders  erwähnt  haben.
Wir  weisen  daher  nochmals  darauf  hin  (siehe  S.  425,  Anm.  1,  al.  3),  dafi  im  Wort
Profit  verschiedene  Bedeutungen  unterschieden  werden  müssen.  Im  Sprachgebrauch
von  Marx,  wie  in  dem  aller  englischen  Volks  Wirtschaftler,  umfallt  das  Wort  Profit
das  ganze  Einkommen  ans  Kapital,  so  wie  es  unter  der  Herrschaft  der  freien  Konkurrenz ­
  auftritt,  ohne  Unterscheidung  zwischen  dem  eigentlichen  Profitgewinn  und
den  Zinsen,  während  man  heute  unter  Profit  das  Einkommen  des  Unternehmers,
das  auf  gewissen  günstigen  Umständen,  besonders  auf  dem  unvollkommenen  Spiel
der  Konkurrenz  beruht,  als  verschieden  von  dem  des  Kapitalisten  versteht.
Bei  dieser  letzteren  Auffassung  nun  würde  es  unsinnig  sein,  von  einem  Gesetz
der  Gleichheit  der  Profite  zu  sprechen,  da  der  Profit,  so  wie  wir  ihn  eben  definiert
haben,  notwendigerweise,  wie  die  Bodenrente,  ein  differentielles  Einkommen  darstellt.
')  Wir  verkennen  nicht,  dafi  diese  Art  und  Weise,  die  Behandlung  des  Themas
zu  beginnen,  vom  marxistischen  Standpunkt  aus  widersinnig  erscheinen  mufi,  weil
Marx  anscheinend  eine  vorhergefaßte  Idee  untergeschoben  wird,  eine  tendenziöse
Neigung,  die  im  umgekehrten  Sinne  dieselbe  ist,  wie  die  der  Volkswirtsohaftler
nach  der  Art  Bastiat’s  —  und  eben  dadurch  vollständig  unwissenschaftlich  und  eines
so  großen  Geistes,  wie  Marx,  unvrürdig.
Ein  so  großer  Geist  man  aber  auch  sein  möge,  wir  sind  doch  der  Meinung,
daß  in  allen  Wissenschaften  man  nur  das  finden  wird,  was  man  sucht  und  es  dürfte
schwer  sein,  leugnen  zu  wollen,  daß  Marx  nicht  nur  lange  bevor  er  das  Kapital
geschrieben  hat,  Sozialist  war,  sondern  auch  bevor  er  sein  System  aufgebaut  hat.
Hiermit  glauben  wir  mit  nichten,  ihn  irgend  wie  zu  verkleinern.
Übrigens  fangen  wir  nur  deshalb  mit  der  Darlegung  der  Schlußfolgerung  an,  um
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.