Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  III.  Der  Marxismus.

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Herrschaft  unter  der  wir  leben,  die  des  Privatunternehmens  und  der
privaten  Aneignung,  im  Begriif  steht,  einer  neuen  Ordnung  der  Dinge
Platz  zu  machen,  die  das  System  der  kollektiven  Unternehmung  und
des  gesellschaftlichen  Eigentums  sein  wird,  das  man  aus  diesem
Grunde  mit  dem  Namen  Kollektivismus  bezeichnet *  1 ).  Der  Beweis
wird  wie  folgt  geliefert.
Auch  diesmal  muß  man  etwas  weit  zurückgehen:  bis  ins  16.  Jahrhundert. ­
  Dort  liegen  die  Anfänge  der  heutigen,  sogenannten  kapitalistischen ­
  Wirtschaftsperiode.  Bis  dahin  gab  es  kein  Kapital  und
sogar  keine  Kapitalisten.  Zwar  existierte  natürlich  das  Kapital  in  dem
Sinne,  den  die  Ökonomisten  diesem  Worte  geben,  d.  h.  unter  der  Form
von  Produktionsmitteln.  Das  Wort  Kapital  hat  aber  für  die
Sozialisten  eine  andere  Bedeutung,  die  wie  man  zugeben  muß,  dem
Sprachgebrauch  näher  steht:  Kapital  ist  das,  was  eine  Rente
erzeugt,  und  das  Wort  Rente  bedeutet  ein  nicht  durch  die  Arbeit
des  Kapitalisten,  sondern  durch  die  Arbeit  anderer  erzeugtes  Einkommen. ­
  Nun  waren  aber  unter  der  Zunftordnung  die  meisten
Arbeiter  Eigentümer  ihrer  Produktionsmittel.
Dann  aber  trat  eine  Reihe  von  Ursachen  auf,  die  wir  hier  nicht
untersuchen  können,  deren  äußerst  dramatische  Darlegung  man  aber
in  den  Büchern  Maex’  nachlesen  mag,  —  die  Eröffnung  neuer  Verbindungswege, ­
  und  infolgedessen  neuer  Märkte,  dank  den  großen  überseeischen ­
  Entdeckungen  und  der  Errichtung  der  großen  modernenStaaten,
die  Schaffung  derGroßbanken  und  der  großenKolonisationsgesellschaften,
die  Entstehung  der  Staatsschulden  usw.,  —  die  alle  nach  und  nach  die
dem  Leser  das  Verständnis  des  Beweises  zu  erleichtern,  doch  steht  es  jedem  frei,
wenn  er  damit  respektvoller  gegen  Maex  zu  sein  glaubt,  anzunehmen,  daß  Marx
keine  Ahnung  des  Ergebnisses  hatte,  zu  dem  ihn  seine  „objektive  Analyse“  der
Tatsachen  führen  sollte,  als  er  mit  dieser  Arbeit  begann.
l )  Es  ist  aber  zu  bemerken,  daß  der  allgemeine  Gebrauch  des  Wortes  „Kollektivismus“ ­
  nichts  mit  Marx  zu  tun  hat,  denn  das  kommunistische  Manifest  gebraucht ­
  nur  das  Wort  „Kommunismus“,  das  es  auf  jeder  Seite  wiederholt.
Wenn  man  James  Q-üillaumb  (Vorrede  zum  Bd.  II  der  (Euvres  de  Bali ­
  o  uni  ne,  S.  XXXVI)  Glauben  schenken  soll,  wäre  der  Ursprung  des  Wortes  „Kollektivismus“ ­
  der  folgende:  „Auf  dem  4.  allgemeinen  Kongreß  der  Internationale  zu  Basel
(1869)  sprachen  sich  die  Delegierten  der  Internationale  fast  einstimmig  für  das  Wort
„Kollektiveigentum“  (Propriete  collective)  aus;  man  konnte  aber  wahrnehmen,  daß
unter  ihnen  zwei  verschiedene  Strömungen  herrschten;  die  einen,  Engländer,  Deutsche,
Deutsch-Schweizer,  waren  Staatskommunisten,  die  anderen,  Belgier,  Spanier,  französische ­
  Schweizer  und  fast  alle  Franzosen,  waren  anti-autoritäre  Kommunisten,
Foederalisten  oder  Anarchisten,  die  den  Namen  Kollektivisten  annahmen.
Bakunin  gehörte  zu  dieser  zweiten  Partei,  unter  der  sich  auch  der  Belgier  de  Paepb
und  der  Franzose  Varlin  befanden.“  —  Es  ist  auch  bemerkenswert,  daß  Bakunin
sich  selbst  als  Kollektivisten  bezeichnet  (was  Marx  niemals  getan  hat),  aber  nicht
uls  Kommunisten:  erst  seit  Kropotkin  ist  der  Anarchismus  wieder  kommunistisch
geworden.
            
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