Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  I.  Die  Physiokraten.

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Austausche,  so  findet  eine  doppelte  Ortsveränderung  an  Gütern
statt,  die  sicherlich  die  Bedürfnisse  eines  jeden  von  uns  beiden  besser
befriedigt.  Eine  Schöpfung  von  Werten  ist  jedoch  nicht  erfolgt,  da
auf  Grund  der  Definition  die  ausgetauschten  Gegenstände  gleichwertig
sind.  Heute  folgern  wir  ganz  anders.  Die  Yolkswirtschaftler  haben
darauf  hingewiesen,  daß,  wenn  ich  meinen  Wein  gegen  dein  Brot
vertausche,,  dies  ohne  Zweifel  darauf  beruht,  weil  ich  mehr  Hunger
als  Durst  spüre,  während  umgekehrt  du  mehr  Durst  als  Hunger  hast;
folglich  hat  die  Flasche  Wein,  dadurch,  daß  sie  von  mir  auf  dich
'ibergeht,  an  Nützlichkeit  gewonnen,  wie  gleicherweise  das  Brot,  das
von  dir  auf  mich  übergegangen  ist.  In  dieser  doppelten  Nützlichkoitsvermelirung
  sehen  wir  eine  wirkliche  Vermehrung  an  Wert.
Dieser  Gedankengang  würde  aber  den  Physiokraten  absurd  erschienen
sein »  da  sie  unter  Werten  (richesses)  nur  materielle  Güter  verstanden
Ull d  nicht  eingesehen  hätten,  daß  man  die  Schaffung  von  weiter  nichts
a ls  subjektivem  Nutzen  produktiv  nennen  kann.
'  Was  den  Handel  anbelangt,  so  wissen  wir  schon,  daß  sie  den
Kaufmann  zusammen  mit  dem  Fabrikanten  in  die  sterile  Klasse  verlesen. ­
  Das  ist  an  sich  schon  bezeichnend  genug.  Es  ergab  sich
araus,  daß  alle  seit  2  Jahrhunderten  vom  Merkantilismus  gelehrten
beorien,  die  im  Außenhandel  das  wahre  Bereicherungsmittel  eines
a "des  sahen,  zusammenbrachen.  Die  Merkantilisten  stellten  sich  den
1  .at  unter  dem  Bilde  eines  reichen  holländischen  Kaufherrn  vor;
16  Physiokraten  aber  unter  dem  eines  Landedelmannes,  der  auf  und
v °a  seinen  Landgütern  lebt.
Der  Außenhandel  bringt  ebensowenig  wie  der  Innenhandel  irgend-.
  eben  wirklichen  Reichtum  hervor;  alles,  was  er  hervorbringt,  ist
11  Gewinn,  was  etwas  ganz  anderes  ist;  denn  das,  was.  der
ei ae  gewinnt,  büßt  der  andere  ein.'  „Alle  handeltreibenden  Völker
ben  in  ( j em  Glauben,  daß  sie  sich  durch  den  Handel  bereichern;
er >  wie  eigentümlich,  alle  glauben  sich  zu  bereichern,  indem  sie  an
en  anderen  verdienen.  Man  muß  zugeben,  daß  dieser  vorgebliche
_  e winn,  so  wie  sie  ihn  auffassen,  etwas  ganz  wunderbares  ist,  denn
ac b  dieser  Meinung  gewinnt  jeder  und  verliert  keiner“ 1 ).'  Es  unterst ­
  keinem  Zweifel,  daß  ein  Land  gezwungen  sein  kann,  Güter  aus
un?  ^ Uslan(i  kommen  zu  lassen,  die  es  sejbst  nicht  erzeugen  kann,
^  ihm  solche  abzulassen,  die  es  selbst  nicht  verbrauchen  kann.
stla lb  ist  der  Außenhandel  unentbehrlich,  aber  er  ist,  sagt  Mbeciee
tvi  DivifeEE  nnd  er  unterstreicht  das  Wort:  ein  notwendiges
u  Del

)  Mbeciee  de  LA  ßlVlfeRB,  S.  545.
)  s.  548.
            
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