Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  I.  Die  Physiokraten.

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sie  dies  nicht,  was  wohl  zu  bemerken  ist,  weil  sie  den  Handel  begünstigen ­
  wollten,  sondern  weil  sie  ihn  mit  einem  verächtlichen
»laisser  faire“  abtaten.  Vielleicht  waren  sie  nicht  weit  von  dem
Glauben  entfernt,  daß  er  durch  dies  „laisser  faire“  von  selbst  verschwinden ­
  würde!  Wenn  sie  Freihändler  waren,  so  lag  dies  in  erster
Linie  daran,  daß  sie  hauptsächlich  an  Handelsfreiheit  im  Innern
dachten,  und  man  muß  sich  vergegenwärtigen,  was  für  außerordentliche ­
  Schranken  in  damaliger  Zeit  den  Handel  im  Inneren  hemmten J ).
Und  weiter  ergab  sich  aus  der  natürlichen  Ordnung,  daß  jeder
kaufen  und  verkaufen  kann,  wie  es  ihm  gefällt,  ohne  Unterschied
zwischen  Inland  und  Ausland,  da  ja  diese  natürliche  Ordnung  Grenzunterschiede ­
  nicht  kennt 2 ).^  Auch  sichert  die  Freiheit  den  „richtigen
Preis“  (le  hon  prix).  —  Was  soll  man  aber  unter  diesem  Wort
verstehen?  —  Einen  niedrigen  Preis?  —-  Ganz  und  gar  nicht!
»Nur  die  freie  Konkurrenz  der  ausländischen  Kaufleute  kann  den
bestmöglichen  Preis  sichern,  und  nur  der  hohe  Preis  kann  durch  die
Mühen  des  Landwirtes  den  Wohlstand  wie  die  Bevölkerung  eines
Königreiches  schaffen  und  unterhalten“ 3 ).  Dies  sind  mehr  die  Gedanken ­
  eines  Landwirtes  als  die  eines  Freihändlers;  der  Grund  liegt
e ben  darin,  daß  die  Physiokraten  sich  tatsächlich  stets  nur  mit  den

l )  Verpflichtung,  nur  auf  dem  Markt  und  nur  beschränkte  Mengen  zu  verkaufen,
aas  Getreide  nicht  länger  als  zwei  Jahre  zurückzuhalten  —  und  auf  dem  Markt
Selbst  zuerst  an  die  Verbraucher,  dann  au  die  Bäcker  und  dann  erst  an  die  Händler
Zü  verkaufen!  usw.
“)  „Man  muß  die  vollständige  Handelsfreiheit  aufrecht  erhalten,  denn  die  für
as  Volk  und  den  Staat  sicherste,  genaueste  und  vorteilhafteste  Regelung  des  Innen-Außenhandels
  besteht  in  absolut  freier  Konkurrenz“  (Qübsnay,  Maxim  es  XXV).
»Man  muß  ihnen  entgegnen:  Die  Freiheit  des  Handels  ist  in  Übereinstimmung  mit
er  Ordnung  und  der  Gerechtigkeit  und  alles,  was  mit  der  Ordnung  übereinstimmt,
rä kt  seinen  Lohn  in  sich“  (Le  Tkosnb,  S.  686).
3 )  Dialogues,  S.  153.  „Hohe  Preise  erzeugen  Überfluß,  sagte  man,  d.  h.
^ e gen  zur  Produktion  an“,  und  umgekehrt  hatte  Boisgüillebert  gesagt:  „Niedrige
reise  gehen  der  Not  voraus.“  An  einer  anderen  Stelle  wiederum  (Maximes  S.  98)
egnügt  sich  Qüesnay  damit,  zu  sagen,  daß  die  Freiheit  des  Getreidehandels  „die
reise  gleichmäßiger“  gestalten  würde;  und  daß  „es  erwiesen  ist:  ganz  unabhängig
Torn  Absätze  im  Ausland  und  von  einem  höheren  Preise,  vermehrt  schon  die  beendige ­
  Gleichmäßigkeit  der  Preise  den  Bodenertrag  um  mehr  als  ein  Zehntel,  da
! e  Mittel  für  die  Vorschüsse  steigert  und  sichert  und  die  Teurungspreise,  die
en  Bevölkerungsrückgang  bewirken,  verhindert“.
Ebenso  schreibt  Mehciee  de  la  EivikHB:  „Ein  üblicher  und  beständiger,  richtiger
, r ^ 13  (üon  prix)  bringt  mit  Sicherheit  Überfluß  —  und  ohne  Freiheit  gibt  es  keinen
chhgen  Preis,  keinen  Überfluß“  (S.  570).
g  Auch  Tubgot  (in  seinen  Briefen  über  den  Getreidehandel)  führt  diesen
„1  eis  ües  längeren  aus  und  versucht  sogar,  ihm  eine  arithmetische  Gestalt  zu
ein 611  ^* as  * st  unn8 tig.  Es  ist  eine,  allerdings  mehr  psychologische  Wahrheit,  daß
her  r6 ^ e ^ m3, üiger  Preis  von  20  Fr.  besser  ist,  als  ein  zwischen  35  und  5  Fr.  hin  und
°hwankender  Preis,  obgleich  der  arithmetische  Durchschnitt  der  gleiche  ist.  -

ri< * e  un d  Rist,  Gesoh.  d.  Volkswirtschaft!.  Lehrmeinungen.

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