Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  III.  Der  Marxismus.

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Kapital  eine  Art  Neuausgabe  der  Contradictions  economiques
Peoudhox’s,  die  gerade  Marx  mit  seinem  Spott  verfolgt  hatte.  Wenn
aber  die  kapitalistische  Ordnung  so  voller  Widersprüche  ist,  die  in
ihrer  Natur  begründet  sind,  wie  schwierig  ist  es  dann,  zu  bestimmen,
ob  sie  uns  in  der  Tat  zum  Kollektivismus  führen  wird!  All  die  sogenannten ­
  wissenschaftlichen  Voraussagen  von  der  Selbstzerstörung
und  der  Endkatastrophe  erscheinen  dann  nur  um  so  verwegener 1 ).
Was  die  Grundtheorie  anbelangt,  die  des  Arbeitswertes,  so  ist
sie  heute  von  den  meisten  der  Marxisten  verlassen  worden,  die  sich
mehr  und  mehr  zu  der  Theorie  „des  Grenznutzens“  oder  zu  der  des
„wirtschaftlichen  Gleichgewichtes“  bekennen 2 ).  Trotz  seinem  Bekenntnis ­
  zum  Arbeitswerte  sah  sich  Karl  Marx  selbst  beständig
dazu  gezwungen,  als  selbstverständliche  Folgerung  oder  sogar  ganz
ausdrücklich 3 )  zuzugeben,  daß  der  Wert  von  Angebot  und  Nachfrage
abhänge,  —  wobei  wir  besonders  auf  das  hinweisen,  was  wir  weiter
oben  über  die  Höhe  des  Profits  gesagt  haben.  Nachdem  er  den

deutig  sind  und  aus  der  Wissenschaft  verbannt  werden  müßten“  (Sorel,  Revue
Intern,  de  Sociologie,  1900,  S.  270).
*)  Sorei.  sagt  von  der  revolutionären  Bewegung:  „Alles  an  ihr  ist  unvoraussehbar“
(Decomposition  du  marxisme,  8.  62).
2 )  Der  italienische  Syndikalist  Arthur  Labriola  (Revue  Socialiste,  1899,
Bd.  I,  S.  674)  schreibt:  „Während  wir  Marxisten  es  uns  sauer  werden  ließen,  den
Mantel  des  Meisters  zu  flicken,  um  ihn  uns  umzuwerfen,  hatte  die  volkswirtschaftliche
Wissenschaft  täglich  Fortschritte  gemacht  .  .  .  Man  vergleiche,  Kapitel  um  Kapitel,
das  „Kapital“  von  Marx  und  die  „Principles  of  political  Economy“  von  Mahshali.;
man  wird  daraus  ersehen,  wie  Probleme,  die  wenigstens  hunderte  von  Seiten  im
Kapital  beanspruchen,  bei  xMarshall  in  einigen  Zeilen  gelöst  werden.“  B.  Croce
(Materialismo  storico  ed  Economia  marxistica,  1900,  S.  105)  schreibt:
»Was  mich  anbelangt,  so  bleibe  ich  fest  hei  der  wirtschaftlichen  Konstruktion  der
hedonistischen  Schule  .  .  .;  doch  befriedigt  das  nicht  meinen  Wunsch  nach  einer  soziologischen ­
  Aufklärung  über  den  Profit  des  Kapitals,  und  diese  Aufklärung  ist  ohne  die
vergleichenden  Betrachtungen,  die  uns  Marx  vorschlägt,  unmöglich.“
Endlich  sagt  Sorel  (Saggi  di  critica  del  marxismo  1903,  S.  13);  „Es
ist  notwendig,  jede  Anwandlung,  den  Sozialismus  zur  Wissenschaft  zu  machen,  aufzugeben. ­
  “
s )  Besonders  in  der  von  Bernstein  angeführten  Stelle:  „Es  ist  in  der  Tat  das
Gesetz  des  Wertes,  daß  nicht  nur  auf  jede  einzelne  Ware  nur  die  notwendige
Arbeitszeit  verwandt  ist,  sondern  daß  von  der  gesellschaftlichen  Gesamtarbeitszeit  nur
das  nötige  proportioneile  Quantum  in  den  verschiedenen  Gruppen  verwandt  ist.  Denn
Bedingung  bleibt  der  Gebrauchswert  .  .  .  Das  gesellschaftliche  Bedürfnis,
d-  h.  Gebrauchswert  auf  gesellschaftlicher  Potenz  erscheint  hier  bestimmend  für  die
Qnota  der  gesellschaftlichen  Gesamtarbeitszeit,  die  den  verschiedenen  besonderen
Produktionssphären  anheimfallen.“  Marx,  das  Kapital,  Bd.  III-2,  S.  175—176)  —
und  Bernstein  fügt  hinzu;  „Dieser  Satz  allein  macht  es  unmöglich,  sich  über  die
GossEN-Bömi’sche  Theorie  mit  einigen  überlegenen  Redensarten  hinwegzusetzen“  (Die
Voraussetzungen  des  Sozialismus  und  die  Aufgaben  der  Sozialdemokratie, ­
  Stuttgart,  1904,  S.  42,  Anm.  2).
            
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