Kapitel I. Die Hedonisten.
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läge ist erreicht: sobald der Grenznutzen der letzten aus
getauschten Gegenstände, oder, wenn man will, die Stärke
der letzten befriedigten Bedürfnisse gleich sind. Wenn
nämlich der Groschen, den man für die Erwerbung der letzten Zigarre
ausgibt, die man am Tage raucht, nicht die gleiche Befriedigung ge
währt, wie der Groschen, mit dem man die letzte Abendzeitung kauft,
so würde man, sobald einem dies klar geworden ist, die Verwendung
dieses Groschens ändern, und eine Zigarre weniger rauchen, um
eine Zeitung mehr zu kaufen. Der Verbrauch regelt sich daher
in einer Art von Austausch, für den unser Innerstes der Markt, und
unsere sich bekämpfenden Wünsche die Feilschenden sind 1 ).
Auch im Bereich der Verteilung hat sich schließlich die Theorie
des Grenznutzens wie in einem eroberten Lande eingerichtet: hier
sind es besonders die Amerikaner, vor allem Professor J. B. Clark,
die sich bemüht haben, von hier aus alle Gesetze der Rente, des
Zinses und des Lohnes zu erneuern. Wir können hier diese scharf
sinnigen Analysen nicht darlegen, an denen die volkswirtschaftlichen
„Quarterlies“ der amerikanischen Universitäten sich ergötzen, höchst
wahrscheinlich als Reaktion gegen ein soziales Milieu, das mit Prag
matismus und Realismus durchdrängt ist. Wir erwähnen daher nur
das Prinzip der Lohntheorie. Wie jeder Wert wird auch der Lohn
durch den Grenznutzen bestimmt. Aber der Grenznutzeu von was?
der Grenznutzen für wen? Der Grenznutzen der Dienste des Arbeiters
für den Unternehmer. — Nun bestimmt aber dort, wo es sich um
die Faktoren der Produktion handelt, ihr Produktivitätsgrad ihren
Nützlichkeitsgrad, — der Lohn wird daher von der Grenzpro-
*) Hinsichtlich des Verbrauches hat die neue Schule aus dem Gesetz des auf
jedem Markt herrschenden Einheitspreises eine merkwürdige Folgerung gezogen. Ob
gleich es nämlich nur einen Preis für alle Käufer gieht, sagen wir für Getreide
käufer, so ist doch der Grenznutzen für einen jeden der Verbraucher äußerst
ungleich. Angenommen, der unter den oben ausgeführten Bedingungen zustande
gekommene Preis sei 20 Fr.; dieser oder jener Käufer würde aber bereit gewesen
sein, 25 Fr. zu zahlen und hätte diesen Preis, wenn notwendig, gegeben; ein anderer
batte 24 Fr., ein anderer 23 Fr., 22 Fr. usf. gezahlt. Folglich fällt einem jeden
Ton ihnen, die ja nur 20 Fr. zahlen, ein Gewinn zu, und zwar unter der Form einer
Ansgaheersparnis. Das nennt Professor Mabshall die Eente des Verbrauchers
(Principles, Bd. III, Kap. VI). Er wählt diese Bezeichnung, um sie mit der be
rühmten Eente des Produzenten in Verbindung zu bringen, die lange vor der
hedonistischen Schule entdeckt worden ist, die aber auf der gleichen Ursache
beruht, d, h, auf wechselnden Unterschieden — für jeden Produzenten — zwischen
üem auf dem Markt festgelegten Verkaufspreis und den Produktionskosten oder
Opfern eines jeden von ihnen. In Wirklichkeit besteht die Identität zwischen diesen
beiden Eentenkategorien kaum mehr als auf dem Papier, denn die Eente des Ver
brauchers ist rein subjektiv, während die des Produzenten einen Handelswert hat.
genügt ganz einfach, wenn man sagt, daß in den meisten Fällen der Tausch den
Menschen ungleiche Befriedigungen, auch bei gleichem Preise, gewährt.