Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel I. Die Hedonisten. 
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Gerade dadurch, daß Böhm-Bawbrk, wie wir weiter unten sehen 
werden, das Gelddarlehen mit einem Tausch verglich, wurde er zu 
seiner berühmten Zinstheorie geführt; doch vertritt er die öster 
reichische und nicht die mathematische Schule. 
Auch der Verbrauch selbst, oder wenigstens die Verwendung der 
Einkommen, setzt einen beständigen Austausch voraus, denn, da 
unsere Mittel begrenzt sind, bedeutet jeder Konsum die Wahl zwischen 
dem Gegenstand, den wir kaufen, und dem, auf dessen Erwerb wir 
seufzend verzichten müssen. Den Besuch einer Theatervorstellung 
dem Kaufe eines Buches opfern, bedeutet ein Vergnügen gegen ein 
anderes austauschen, und dieser Austausch erfolgt nach den gleichen 
Gesetzen wie alle anderen J ). 
Überall gilt das gleiche; Steuern zahlen bedeutet einen Teil 
seiner Güter aufgeben, um dafür im Austausch die Sicherheit des 
Restes zu erhalten; Kinder in die Welt setzen bedeutet einen Teil 
seiner Behaglichkeit und seiner Ruhe opfern, um dafür die Freuden 
der Familie zu genießen und sich um sein Vaterland verdient ge 
macht zu haben. ? 
So ist es möglich, zwischen den Tatsachen aus dem Bereich der 
Volkswirtschaft Abhängigkeitsverhältnisse zu finden, die man ver 
suchen kann, in algebraischen Formeln auszudrücken, sogar dann, 
wenn man nicht imstande ist, sie durch Ziffern darzustellen. Die 
Kunst der mathematischen Volkswirtschaftler besteht darin, diese 
Verhältnisse zu entdecken und sie in Gleichungen zu fassen. 
Wir wissen z. B., daß die Nachfrage fällt, wenn der Preis einer 
Ware steigt und umgekehrt. Hier haben wir also Quantitäten, 
von denen die eine stets in einem „Funktionalverhältnis“ zur anderen 
schwankt 2 ). Betrachten wir nun, wie die mathematischen Volks- 
0 Der Wert selbst, dieser Grundstein der klassischen Volkswirtschaft, wird in 
der mathematischen Volkswirtschaft zu einem einfachen Tauschverhältnis und verliert 
dadurch alles persönliche, wenn ich so sagen darf. Da es sich nicht um eine Sache an 
sieh, sondern um einen einfachen Ausdruck handelt, ist es lächerlich, sich mit dem 
Suchen nach Ursachen oder Gründen oder dem Wesen zu befassen, wie es die 
alte Schule tut. Deshalb schlug Stanley Jbvons vor, das Wort „Wert“ überhaupt 
zu verbannen und einfach „Tauschbeziehung“ an seine Stelle zu setzen. Auch 
Aupbtit legt Nachdruck hierauf: „Der Ausdruck Wert, der heute jedes Inhalts bar 
ist, scheint uns daher bestimmt zu sein, aus dem wissenschaftlichen Wortschatz zu 
verschwinden ... Es hat keinen irgendwie bemerkenswerten Nachteil, diesen para 
sitischen Bestandteil, so wie wir es getan haben, zu vernachlässigen und das wirt 
schaftliche Gleichgewicht in seiner Gesamtheit zu betrachten, ohne auch nur das Wort 
Wert zu erwähnen“ (Theorie de la Monnaie, S. 85). 
2 ) Indem man die Nachfrage durch d, den Preis durch p bezeichnet, schreibt man; 
d = f (p), was besagen will, daß die Nachfrage als Funktion des Preises schwankt. 
Man kann diese Beziehungen auch durch geometrische Linien ausdrücken, anstatt 
Gleichungen anzuwenden, da in der Mathematik jede Kurve durch eine Gleichung
	        
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