Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Fünftes  Buch.  Die  Lehren  der  neuesten  Zeit.

Wirtschaftler  das  Gesetz  der  Nachfrage  in  dieser  neuen  Form  ausdrücken.

Wenn  man  auf  einer  Horizontalen  von  einem  feststehenden  Ausgangspunkt ­
  aus  in  gleichen  Abständen  Punkte  einträgt,  die  die
Preise  1,  2,  3,  4,  5  usw.  bis  10  bezeichnen,  und  wenn  man  auf  jedem
dieser  Punkte  eine  Vertikale  errichtet,  die  die  zu  diesen  Preisen  nachgefragte ­
  Menge  darstellt,  deren  Höhe  proportional  zu  dieser  Menge
ist,  und  zum  Schluß  die  Spitzen  aller  dieser  Vertikalen  (die  man  die
Koordinaten  nennt)  durch  eine  Linie  verbindet,  so  erhält  man  eine
Kurve,  die  von  einem  sehr  hohen  Punkte  aus  geht,  der  die  niedrigsten ­
  Preise  bezeichnet  und  fortschreitend  für  die  höheren  Preise
fällt,  bis  sie  mit  der  Horizontalen  in  einem  gewissen  Punkte  zusammenfällt, ­
  welcher  Punkt  mit  dem  Preise  übereinstimmt,  an  dem
die  Nachfrage  Null  wird 1 ).
Das  interessante  dabei  ist,  daß  diese  Kurve  für  jede  Kategorie
von  Produkten  verschieden  ist  —  für  die  eine  langsam,  für  die
andere  steil  abfallend,  je  nachdem  die  Nachfrage,  wie  Makshall  sagt,
mehr  oder  weniger  elastisch  ist,  —  so  daß  sozusagen  eine  jede
Ware  ihre  charakteristische  Kurve,  ihr  Kennzeichen,  ihre  Nummer
hat,  die  ihr  Erkennen  (theoretisch  wenigstens)  unter  hundert  anderen
gestattet 2 ).
wiedergegeben  werden  kann.  Die  geometrische  Darstellung  gibt  ein  anschaulicheres
Bild,  wenigstens  für  die  Uneingeweihten,  als  algebraische  Formeln,  besonders  wenn
man,  wie  Cournot  und  andere,  die  Bezeichnungen  der  Infinitesimalrechnung  anwendet, ­
  —  aber  gleichzeitig  bietet  sie  auch  viel  geringere  Darstellungsmöglichkeiten,
denn  die  geometrische  Figur  zeigt  nur  die  Beziehung  zwischen  zwei  Mengen,  einer
feststehenden  und  einer  veränderlichen  (oder  dreier  Mengen,  von  denen  zwei  veränderlich ­
  sind,  wenn  man  auf  die  dreidimensionale  Geometrie  zurückgreift,  doch
ist  in  diesem  Fall  die  in  der  Projektion  gezeichnete  Figur  nicht  sehr  klar),  während
die  Algebra  Beziehungen  zwischen  beliebig  vielen  Mengen  herzustellen  gestattet  —
vorausgesetzt,  man  ist  imstande,  ebensoviel  Gleichungen  aufzustellen,  als  man
Veränderliche  hat.
')  Cournot  ist  der  erste,  der  in  seinem  oben  (S.  601  Anm.)  angeführten  Buche
die  Kurve  der  Nachfrage  gezeichnet  hat.  Er  nannte  sie  „das  Gesetz  des  Absatzes
—  loi  de  debit  —  “  und  stellte  dieses  Gesetz  mit  bewunderungswürdiger  Klarheit
dar,  indem  er  als  Beispiel  einen  höchst  einfachen  Fall  setzte;  den  Verkauf  eines
Mineralwassers  in  Flaschen,  dessen  Heilkraft  angenommenerweise  äußerst  stark
sein  soll.  Bei  einem  sehr  geringen  Preis  wird  die  Nachfrage  oder  der  Absatz  sehr
groß  sein,  —  wenn  auch  nicht  unbegrenzt,  denn  jedes  Bedürfnis  hat  eine  Grenze.
Bei  einem  sehr  hohen  Preis  wird  die  Nachfrage  oder  der  Absatz  gleich  Null  sein.
Zwischen  diesen  beiden  Punkten  wird  er  alle  Zwischenstufen  durchlaufen.  Hier
ist  nicht  die  Stelle,  die  geistreichen  Folgerungen  darzulegen,  die  Cournot  vom
Gesichtspunkt  einer  Monopolordnung,  wie  auch  von  dem  des  mehr  oder  weniger
großen  Zwiespaltes  zwischen  Monopol  und  Allgemeininteresse  hieraus  zieht.
2 )  Die  Kurve  der  Nachfrage  ist  gewöhnlich  konkav  und  diese  charakteristische
Form  ist  nur  der  geometrische  Ausdruck  einer  bekannten  Tatsache,  daß  nämlich
der  Absatz  sogleich  schnell  steigt,  wenn  der  Preis  niedrig  genug  ist,  um  der  großen
            
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