Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Fünftes  Buch.  Die  Lehren  der  neuesten  Zeit.

Es  gibt  daher  zwei  nebeneinander  bestehende  Märkte  *),  den  der
Dienste  und  den  der  Produkte:  und  auf  jedem  von  ihnen  werden  die
Preise  von  den  gleichen  drei  Gesetzen  bestimmt:

der  Unternehmer,  der  als  Preis  seiner  Produkte  gerade  denselben  Wert  erhält,  den
er  für  die  Produktiv-Dienste  gezahlt  hat,  keinen  Profit  gewinnt.
In  der  Tat  geben  auch  Walbas,  wie  Pantaleoni  vollständig  die  Richtigkeit
dieses  anscheinenden  Paradoxon  zu,  —  wohl  verstanden,  indem  sie  auf  dem  angenommenen ­
  Boden  der  vollkommen  freien  Konkurrenz  bleiben,  und  indem  sie  achthaben, ­
  den  Profit  durchaus  von  den  Zinsen  zu  trennen  (was  die  englische  Schule
nicht  tut);  die  Zinsen  werden  ja  als  einer  der  Bestandteile  der  Produktionskosten
betrachtet.
Übrigens  liegt  hierin  nichst  überraschendes,  da  es  ja  auf  dasselbe  hinausläuft,
wie  die  wohlbekannte  Formel,  daß  der  Verkaufspreis  unter  der  Herrschaft  der  freien
Konkurrenz  notwendigerweise  mit  den  Produktionskosten  übereinstimmt.
Selbstverständlich  hindert  dies  nicht,  in  Wirklichkeit  das  Bestehen  des  Profits
in  allen  Gesellschaften  anzuerkennen,  doch  erklärt  man  es  einfach  aus  den  beständigen
Oszillationen  des  Systems  um  einen  festen  Punkt,  bei  dem  es  nie  stehen  bleibt.
Der  Profit  ist  in  dieser  Auffassung  wie  die  Wogen  des  Meeres,  —  was  uns  nicht
daran  hindert,  das  Niveau  des  Meeres  als  horizontal  anzusehen  und  sogar  auf  diese
Annahme  die  Messung  aller  Höhenunterschiede  der  Erde  zu  gründen.  Wird  der
Tag  kommen,  an  dem  bei  vollständig  verwirklichtem  Gleichgewicht  es  keinen  Profit
mehr  gehen  wird?  ...  Vielleicht  wohl,  aber  an  dem  Tage,  an  dem  in  der  physischen
und  wirtschaftlichen  Welt  das  Gleichgewicht  vollständig  verwirklicht  sein  wird,
wird  die  Uhr  stehen  bleiben  und  die  Welt  ihr  Ende  finden.
’)  Um  das  System  von  Walkas  richtig  darzustellen,  muß  man  sagen,  daß  es
nicht  nur  zwei,  sondern  drei  Märkte  gibt,  die  ineinander  geschachtelt  sind,  denn,
ebenso  wie  auf  dem  Markte,  wo  Produkte  ausgetauscht  werden,  die  Menge  dieser
Produkte  von  der  mehr  oder  weniger  großen  Menge  produktiver  Dienste  (Boden,
Arbeit  und  Kapital)  abhängt,  ebenso  hängt  wiederum  die  Menge  der  produktiven  Dienste,
oder  wenigstens  die  der  Kapitalien,  von  der  mehr  oder  weniger  großen  Aktivität
der  Bildung  neuer  Kapitalien  (Eisenbahnen,  Bergwerke,  Maschinen)  ab.  Diese
wieder  wird  ihrerseits  von  der  Höhe  der  Spartätigkeit  bedingt.  Hierin  besteht  der
dritte  Markt;  der  der  Kapitalisation.  Da  die  neuen  Kapitalien  nur  aus  den
Ersparnissen  gezahlt  werden  können  (d.  h.  mit  demjenigen  Teil  des  Einkommens,
den  die  Produzenten  nicht  auf  den  Ankauf  von  Gebrauchsgütern  verwendet  haben),
muß  der  Preis  dieser  Kapitalien  so  beschaffen  sein,  daß  er  die  Menge  der  neu
gebildeten  Kapitalien  und  die  in  bar  realisierte  Menge  des  Gesparten  zusammenfallen ­
  läßt,  —  und  wenn  man  z.  B.  mehr  Ersparnisse  als  Kapitalien  gebildet  hat,  wird
der  Preis  dieser  letzteren  steigen.
Wenn  man  aber  sagt,  daß  der  Preis  der  Kapitalien-steigt,  so  heißt  das  in
anderen  Worten,  daß  der  Zinsfuß  (oder  wie  Walhas  sagt;  die  Miete  der  Ersparnisse)
sinkt.  Das  Sinken  des  Zinsfußes  wird  nun  aber  diejenigen,  die  sparen,  abschrecken.
Hieraus  wird  sich  ergeben,  daß  auf  dem  Markte  der  Kapitalbildung  im  Gleichgewicht
zwischen  Angebot  und  Nachfrage  ein  Wechsel  eintritt,  der  Preis  neuer  Kapitalien
wird  sinken,  der  Zinsfuß  steigt,  usf.
Um  zusammenzufassen:  „Der  maximale  Gesamtnutzen  auf  der  einen
Seite,  die  Einheit  des  Preises  auf  der  anderen,  —  sei  es  der  Produkte  auf
dem  Markt  der  Produkte,  sei  es  der  Dienste  auf  dem  Markte  der  Dienste,  sei  es
der  Einkommen  auf  dem  Markte  der  Kapitalien,  —  das  ist  daher  immer  die
doppelte  Bedingung,  gemäß  der  sich  die  Welt  der  wirtschaftlichen  Interessen  zu
            
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