Kapitel I. Die Hedonisten.
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a) auf dem Markt gibt es nur einen einzigen Preis für alle Pro
dukte der gleichen Kategorie;
b) dieser Preis muß so beschaffen sein, daß er die angebotenen
und die- nachgefragten Mengen genau übereinstimmen läßt;
c) dieser Preis muß so beschaffen sein, daß er der größtmög
lichen Anzahl von Käufern und Verkäufern gestattet, den Markt be
friedigt zu verlassen.
Alle diese Gesetze können mit mathematischer Genauigkeit aus
gedrückt werden und stellen genau das dar, was man Gleichgewichts
probleme nennt.
In Summa führt die neue Schule die ganze wirtschaftliche Wissen
schaft auf eine Mechanik des Tausches zurück und glaubt sich
hierzu um so mehr berechtigt, als das hedonistische Prinzip, „das
Maximum an Befriedigung mit dem Minimum an Anstrengung zu
erreichen“ nur ein Prinzip der reinen Mechanik ist, das man das
Prinzip „des kleinsten Mittels zum größten Zweck“ oder „der Kraft
ersparnis“ nennt. Man betrachtet jedes Individuum als dem Ansporn
des persönlichen Interesses unterliegend, ebenso wie die vom Queue
gestoßene Billardkugel, und man muß wie jeder gute Spieler die
komplizierten Figuren berechnen ’), die sich aus dem Zusammentreffen
der Kugeln untereinander und mit der Bande ergeben.
Ein anderes Gleichgewichtsproblem besteht darin, zu untersuchen,
in welchen Verhältnissen sich die verschiedenen Bestandteile bei der
Ausführung der Produktion vereinigen müssen. Stanlev Jevons
hatte diese Ausführung der Produktion mit der der Hexen Macbeths
verglichen, die in ihrem Kessel ein höllisches Gebräu kochen. Diese
Bestandteile sind nicht zufällig gemischt, sondern, sagt Paeeto, in
Übereinstimmung mit dem in der Chemie bekannten Gesetz der „be
stimmten Verhältnisse“, das den Molekülen der Körper nicht ge
stattet, sich in anderer Weise als gemäß gewissen unveränderlichen
ordnen strebt, genau wie die Welt der astronomischen Bewegungen sieh selbst durch
die Anziehung im direkten Verhältnis der Massen und im umgekehrten Verhältnis
zum Quadrat der Entfernungen ordnet. ... In beiden Fällen umschließt eine Formel
von zwei Linien die ganze Wissenschaft und liefert die Erklärung einer Unzahl von
Einzeltatsachen“ (Walras, Economie politique pure, S. 30d).
h Professor Edgbwoeth wendet ein ähnliches Bild an und vergleicht den öko
nomischen Menschen mit einem, von einem Kutscher geleiteten Wagen. Er führt
ans: „Ein System eines solchen Wagens und Kutschers stellt die soziale Wissenschaft
vor“ (Mathematical psychics, S. 24). Und an anderer Stelle: „Die soziale
Mechanik wird eines Tages neben die Lehre von der Mechanik der Himmelskörper
gestellt werden können; beide beruhen auf dem Prinzip des Energiemaximums (oder
Maximum der Befriedigung), das der höchste Gipfel der sozialen, wie der physischen
Wissenschaft ist“ (Bbd. S. 12).
Für Paeeto ist die Volkswirtschaft nur das Studium der Gegensätze zwischen
Wünschen und Hindernissen.
Gide und Rist, Gesch. d. Volkswirtschaft!. Lehrmeinungen.
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