Kapitel I. Die Hedonisten.
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Schule, obgleich er ultra-individualistisch und ein heftiger Gegner
des Interventionismus und des Solidarismus ist. Er erklärt im
Gegenteil, daß das Maximum an Wohlstand ebenso gut in einer kol
lektivistischen Ordnung, wie unter der Herrschaft der freien Kon
kurrenz verwirklicht werden kann — und zwar in der Theorie: in
der Praxis aber hält er dies nicht für möglich, was jedoch auf
„ethische und andere Gründe zurückzuführen ist, die außerhalb des
Bereichs der Nationalökonomie liegen“ 1 j.
Pantaleonx dringt noch tiefer in das Gebiet der reinen und
transzendenten Wissenschaft, denn er erklärt mit ruhiger Erhaben
heit, daß man an Stelle des rein egoistischen Prinzips sehr wohl das
rein altruistische Prinzip setzen könne, ohne daß dies die Ergebnisse
der Berechnung irgendwie ändern würde, gerade wie es in einer
algebraischen Gleichung ohne Einfluß bleibt, wenn man überall die
Pluszeichen durch Minuszeichen ersetzt. Die Selbstlosigkeit aller
würde die gleichen Ergebnisse wie der Egoismus hervorbringen:
Wettbewerb der Opferfreudigkeit anstatt wie heute, Wettbewerb
der persönlichen Interessen. An Stelle des Austausches von Nütz
lichem würde der Austausch von Aufopferungen treten, der aber von
den gleichen Gesetzen beherrscht wird. Für den Hedonisten hat all
dies wenig Bedeutung. Wenn ein bestimmter wirtschaftlicher Zustand
gegeben ist, handelt es sich einfach darum, seine Wirkungen zu be
rechnen, ebenso wie.es die Aufgabe eines Ingenieurs ist, die mögliche
Kraftleistung einer gegebenen Maschine rechnerisch festzustellen.
Die gewichtigste Kritik, die man gegen die Hedonisten gerichtet
hat, ist, daß sie schließlich nichts entdeckt hätten, was man nicht
schon kannte. — Jawohl, antworten sie, aber man kannte es nur
schlecht, man bewies es nicht, sondern behauptete es nur. Der Beweis
ungewisser oder geahnter Wahrheiten stellt einen nicht weniger be
deutsamen Beitrag zum wissenschaftlichen Fortschritt vor, als die
wirkliche Entdeckung. Die vollkommenste aller Wissenschaften, die
Astronomie, ist nur so vorwärts gekommen. Wohl behaupteten die
klassischen Yolkswirtschaftler z. B., daß die Herrschaft der freien
Konkurrenz der bestmögliche Zustand sei, aber sie konnten weder
nachweisen, warum, noch unter welchen Bedingungen. Die mathe
matischen Yolkswirtschaftler haben nun das Warum gefunden: —
nämlich weil diese wirtschaftliche Ordnung das Maximum an Befrie
l ) Ebenso kann man bei den amerikanischen Yolkswirtschaftlern feststellen,
«laß die hedonistische Methode volle Unabhängigkeit des Programms verbürgt.
Wenn sie den Professor Clark zu einer gewissen Rechtfertigung der bestehenden
wirtschaftlichen Ordnung und zum Glauben an die Wirksamkeit der freien Kon
kurrenz geneigt macht, so führt sie Professor Patten zu einem ausgesprochenen
Interventionismus, der dem List’s ziemlich ähnlich ist.