Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  II.  Die  Theorie  der  Bodenrente  und  ihre  Anwendungen.  625

Ökonomie“  niedergelegteu  Theorie,  die  er  später  eingehender  in  dem
Quarter  ly  Journal  of  Economics,  1887,  wieder  aufnahm ­
  ').
Wir  haben  schon  auf  die  Neigung  zu  einem  gewissen  Optimismus ­
  bei  den  Amerikanern  hingewiesen.  Caeey  hat  uns  dafür  ein
Beispiel  geliefert.  Walker  gibt  ein  neues.  Schon  in  seinem  1876
veröffentlichten  Werke,  The  Wages  Question  (die  Lohnfrage)
hatte  Walker  mit  Erfolg  die  für  die  Arbeiter  entmutigende
Theorie  des  Lohnfonds  bekämpft.  An  ihre  Stelle  hatte  er  die
Theorie  gesetzt,  die  den  Lohn,  zum  Teil  wenigstens,  von  der  zu
erhoffenden  Produktivität  des  Unternehmens  abhängen  läßt.  Der
Nachweis,  daß  der  Lohn  möglicherweise  mit  der  wachsenden  Produktivität ­
  der  Industrie  wächst,  genügte  aber  nicht,  um  die  Gemüter  zu
beruhigen.  Auch  wollte  Walker  den  Sozialisten  gegenüber  feststellen, ­
  daß  der  Profit  keineswegs  aus  der  Ausbeutung  der  Arbeiter
stamme,  —  und  die  Rententheorie  schien  ihm  hierfür  ein  ausgezeichnetes ­
  Beweismittel  zu  liefern.
Unter  „Profit“  versteht  Walker  die  besondere  Entlohnung  des
Unternehmers  *  2 )  unter  Ausschluß  der  Zinsen  seines  Kapitals.  Hierin
unterscheidet  er  sich  von  den  meisten  Volks  Wirtschaftlern  englischer
Zunge,  die  trotz  des  auf  dem  Kontinent  angenommenen  Sprachgebrauches ­
  lange  Zeit  dabei  beharrten,  die  verschiedenen  Funktionen
des  Unternehmers  und  des  Kapitalisten  zusammenzuwerfen.  Walker
weigert  sich  auch,  die  Funktion  des  Unternehmers  auf  die  bloße
Tätigkeit  der  Leitung  und  der  Überwachung  zu  beschränken,  aus
der  er  höchstens  auf  ein  Einkommen  Anspruch  machen  könnte,  das
dem  Gehalt  eines  bezahlten  Direktors  entspräche.  Die  Funktion  des
Unternehmers  steht  aber  höher.  Sie  besteht  darin,  alle  industriellen
Schwankungen  vorauszusehen  und  die  Produktion  entsprechend  zu
*)  The  Source  of  business  Profit,  in  dem  Quarterly  Journal  of
Economics,  April  1887.
2 )  Walker  ist  einer  der  ersten  englischen  Schriftsteller,  der  diese  Unterscheidung
gemacht  hat  und  dem  Wort  Profit  seinen  enger  umschriebenen  Sinn  gibt,  indem  er
ihn  einerseits  von  den  Zinsen  und  andererseits  vom  Lohn  unterscheidet  (Wages
Question,  2.  Ausg.,  1891,  S.  230ff.).  Er  trennt  vom  Profit  sogar  den  Lohn  der
Überwachung  und  Leitung,  weil  diese  Überwachungsfunktionen  übertragen  werden
können,  während  die  eigentliche  Funktion  des  Unternehmers  (die  Anpassung  der
Produktion  an  die  Nachfrage)  allein  eine  besondere  Entlohnung  bedingt:  den  Profit.  —
Es  wirkt  erheiternd  und  gibt  ein  klares  Bild  von  der  Isolierung,  in  der  die  Volks-Wirtschaftler
  der  verschiedenen  Länder  voneinander  leben,  wenn  Walker  erklärt,
daß  ihm  kein  Volkswirtschaftler  bekannt  sei,  außer  seinem  Vater,  Amasa  Walker,
üer  vor  ihm  die  Trennung'  der  Funktionen  des  Unternehmers  und  des  Kapitalisten
Torgenommen  habe.  Dabei  hat  schon  J.-B.  Say  ganz  klar  diese  Unterscheidung
aufgestellt,  und  fast  alle  Volkswirtschaftler  des  Kontinents  haben  sie  seit  dem  Anfang
des  19.  Jahrhunderts  gebraucht.
Gide  und  Eist,  Gesoh.  d.  Volkswirtschaft!  Lehrmeinungen.  40
            
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