Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit. 
Es ist aber interessant, sowohl die Ideen, in deren Namen man 
diesen Rückkauf verlangt, wie auch die wirtschaftlichen Vorgänge, 
die ihn verwirklichen sollen, zu studieren. Die in dieser Hinsicht 
bemerkenswertesten Systeme sind die von Gossen und Waleas. Das 
erste ist in einem sehr merkwürdigen Werke dargelegt: Die Ent 
wicklung der Gesetze des menschlichen Verkehrs; das 
zweite wird in einer Denkschrift entwickelt, die der Verfasser 1880 
der Waadtländischen Gesellschaft der Naturwissenschaften vorlegte. 
Beide enthalten allgemeine Gedanken, aus denen der Volkwirtschaftler 
großen Nutzen ziehen kann. Zum Schluß werden wir in einigen 
Worten von den Schriftstellern sprechen, die im Rückkauf haupt 
sächlich das Mittel sehen, Allen „freien Boden“ anzubieten. 
a) Das Buch Gossen’s erschien 1853*). Ein interessantes Zu 
sammentreffen ließ ii\ Deutschland fast im gleichen Augenblick, in dem 
Bastiat in Frankreich und Caeey in Amerika zwei Systeme ausge 
sprochen optimistischer Volkswirtschaftslehre schufen, in Gossen 
einen noch überzeugteren Optimisten erstehen, der zudem auf jeden 
Fall viel wissenschaftlicher zu Werke ging. Gossen denkt, wie die 
Physiokraten, daß die Vorsehung die soziale Welt wohltätigen Ge 
setzen unterstellt hat, deren Kenntnis und Befolgung genügt, um 
glücklich zu werden. Diese Gesetze sind die des „Genusses“, heute 
würden wir sagen der Nützlichkeit oder der Ophelimität, und zwar 
sind diese Gesetze so vortrefflich, daß es genügt, wenn der Mensch 
sein eigenes Glück verfolgt, um zur gleichen Zeit zum größten Glück 
der ganzen Gesellschaft beizutragen. Bei Gossen finden wir schon, 
in einer beraerkenswürdig genauen Form, die sich auf eine höchst 
geistreiche Analyse der Bedürfnisse stützt, das hedonistische Theorem 
vom Maximum der Ophelimität —, nach dem die Individuen, indem 
ein jedes der Befriedigung seiner Wünsche nachstrebt, unter der 
Herrschaft der freien Konkurrenz selbsttätig das Maximum der Be 
friedigung für die Gesamtheit verwirklichen. 
Wenn das Streben eines jeden nach dem Maximum des persön 
lichen Genusses als Folge das Maximum des Wohlseins aller hat, so 
- ’) H. H. Gossen, „Entwicklung der Gesetze des menschlichen Verkehrs und der 
daraus fliehenden Regeln für menschliches Handeln“, von Hermann Heinrich Gossen, 
königlich preuhischem Regierungs-Assessor außer Dienst.. Neue Ausgabe, Berlin, Ver 
lag von E. L. Prager, 1889 (Neudruck). Das Werk blieb zu dieser Zeit (1853, s. o. 
S. 601, Anm.) vollständig unbeachtet und noch im Jahre 1900 wußte die zweite Aus 
gabe des großen Handwörterbuches der Staatswissenschaften nichts von 
ihm. Die dritte Ausgabe hat diese Lücke gefüllt. Über die Beziehungen der 
Ideen Gossen’s zu denen von Walras und Jevons vgl. den interessanten Aufsatz 
von Walbas: Un economiste inconnu, Hermann Henri Gossen, der 1885 im 
Journal des Economistes veröffentlicht wurde und in seinen Etudes d’Eco- 
nomie Sociale, S. 351 ff. von neuem abgedruckt ist.
	        
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