Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  II.  Die  Theorie  der  Bodenrente  nnd  ihre  Anwendungen.

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Besonders  Wbbb  hat  versucht,  dem  fabischen  Kollektivismus  eine
neue  theoretische  Basis  zu  geben.  Da  er  die  marxistische  Theorie
des  Arbeitswertes  unbedingt  verwirft  und  eher  den  modernen  Theorien
eines  Jevons,  Maeshall  oder  der  Österreicher  zuneigt,  mußte  er  für
die  Aneignung  der  Produktionsmittel  durch  die  Kollektivität  eine
andere  Begründung,  als  Maex  finden.  Als  echter  Engländer  konnte
er  sich  dem  besonderen  Zauber,  den  auch  heute  noch  Ricabdo  auf  die
Volks  Wirtschaftler  seines  Landes  ausübt,  nicht  entziehen  und  geht
daher  auf  die  Theorie  der  Grundrente  des  großen  Schriftstellers  zurück,
die  in  seinen  Augen  „der  wirkliche  Eckstein  der  kollektivistischen
Volkswirtschaft  ist“  x ).  Zunächst  rechtfertigt  die  Theorie  der  Rente
—  dies  bedarf  keines  Beweises  —  die  kollektivistische  Aneignung
der  Einkünfte  des  Bodens,  indem  sie  nachweist,  daß  dieses  Einkommen ­
  auf  dem  Mehrertrag  der  besten  Felder  gegenüber  dem
schlechtesten  beruht,  auf  dem  der  Arbeiter  nichts  anderes  als  nur
gerade  seinen  Lohn  erzeugt.  Soweit  also  nichts  Neues.
Sie  rechtfertigt  aber  nicht  weniger  auch  die  Konfiskation  des
Einkommens  aus  Kapitalien.  Denn  zwischen  den  verschiedenen  Kapitalien, ­
  nämlich  zwischen  den  verschiedenen  Maschinen,  den  Instrumenten ­
  und  Gebäuden  aller  Art,  die  der  Produktion  dienen,  bestehen
die  gleichen  Qualitätsunterschiede,  und  folglich  auch  die  gleichen
Unterschiede  in  der  materiellen  Produktivität,  wie  zwischen  den
verschiedenen  Feldern.  Der  „nur  mit  dem  Grenzkapital  ausgestattete
Arbeiter“,  d.  h.  derjenige  Arbeiter,  der  nur  mit  dem  Minimum  an
Werkzeugen  ausgestattet  ist,  ohne  das  keine  Arbeit  möglich  ist,  verdient ­
  nur  seinen  Lohn.  Alles,  was  dieses  Minimum  übersteigt,  können
die  Kapitalisten,  als  Zahlung  für  den  höheren  Ertrag  der  Kapitalien,
die  sie  darleihen,  für  sich  beanspruchen.  Der  Zins  ist  daher  nichts
als  ein  Differentialeinkommen,  eine  Rente,  unter  der  Bedingung,  daß
er  in  der  allein  richtigen  Weise  definiert  wird,  nämlich  als  „eine
bestimmte  Teilmenge  am  Produkt“,  und  nicht  als  so  und  so  viel
vom  Hundert *  2 ).

*)  Herr  und  Frau  Webb  verwerfen  in  ihrer  History  of  Trade-Ünionism
(S.  116  d.  franz.  Übers.)  „jene  aufgeblähte  Simili-Wissenschaft,  und  das  Vorurteil,
das  Generationen  von  Sozialisten  dazu  führte,  A.  Smith  und  den  klassischen  Volkswirtschaftlern ­
  die  falsche  Theorie  zu  entlehnen,  als  oh  die  Arbeit  allein  den  Wert
schaffe,  ohne  das  den  Händen  stets  entgleitende  und  bei  weitem  schwierigere
Gesetz  der  ökonomischen  Rente  zu  beherrschen,  das  der  wirkliche  Eckstein  der
kollektistischen  Volkswirtschaft  ist“.
2 )  „Die  Zinsen,  mit  denen  wir  uns  hier  beschäftigen,  müssen  selbstverständlich
e 'ne  „definierbare  Produktmenge“  sein  (a  definable  quantity  of  product).
(The  National  Dividend  and  its  distribution  in  den  Problems  of
Modern  industry  S.  227).  Wir  entlehnen  diesem  Aufsatz  die  Darlegung
Her  Lehre.
            
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