Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel III. Die Solidarisier!, 
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Seine These ist doch, daß alle, die in der Gesellschaft eine ge 
wisse Überlegenheit der Stellung, des Reichtums oder der Intelligenz 
haben, — weil gerade sie gewöhnlich am stärksten dazu beigetragen 
haben, das materielle und intellektuelle Kapital der Gesellschaft zu 
schaffen —, auf Grund einer vermessenen Umkehrung der Rollen als 
Schuldner hingestellt werden, und zwar zugunsten aller derjenigen, 
die keinen Erfolg gehabt haben, so daß diese letzteren das formelle 
Recht hätten, auf Kosten der ersteren zu leben. Man sucht so in 
der ganzen Gesellschaft immer dichtere Schichten von Leuten zu 
schaffen, die von der Solidarität leben, wie es früher solche gab, die 
vom Bettel lebten. Aber diese Leute sind viel gefährlicher, denn 
sie werden nicht mehr von der Erniedrigung, um Almosen bitten zu 
müssen, zurückgehalten: sie verlangen, daß man ihnen gebe, w r as 
man ihnen schuldig ist: nicht „um Gottes willen“, sondern im Namen 
eines, man weiß nicht recht welches Quasi-Kontraktes und mit dem 
Schutzmann hinter sich, für den Fall, daß der sogenannte Schuldner 
nicht mit der nötigen ergebenen Bereitwilligkeit die Forderung er 
fülle. Daher kommt das Überhandnehmen der pensionierten Arbeiter, 
der Invaliden, der Rentenempfänger und Arbeitslosen, der Opfer eines 
mehr oder weniger wirklichen Unglücksfalls, der Eltern, deren Kinder 
in den Schxükttchen umsonst essen, der Fabrikanten und Besitzer, 
die unter der Form eines Einfuhrzolles direkte oder indirekte Prä 
mien erhalten, und der Angestellten öffentlicher Behörden, die im 
Namen der beruflichen Solidarität die nationale Solidarität mit Füßen 
treten und unbekümmert die Interessen der Verbraucher und der 
Steuerzahler preisgeben. 
Gewiß behaupten die Nationalökonomen nicht, daß die gegen 
seitige Gerechtigkeit, das do ut des, für alles ausreiche: sie geben 
zu, daß sich noch ein weites Feld jenseits der Gerechtigkeit er 
streckt, — das Reich der Mildtätigkeit: aber sie halten es für 
verderblich, diesen Bezirk dem Gebiet der Gerechtigkeit einzuver 
leiben, indem man sich der Solidarität als Vorwand für die Berech 
tigung dieser Einverleibung bedient. 
In Summa gibt es eben kein Mittel, dem Dilemma zu entgehen: 
entweder erhält ein jeder den Gegenwert dessen, das er gibt, und 
in dem Falle haben wir das Tauschsystem, oder aber, es gibt Leute, 
die mehr erhalten, als sie geben, und diese sind, unter allen Um 
ständen, und wie man sie auch immer nennen möge, Parasiten oder 
man einer Art von höchst ungesundem Egoismus gegeben hat“ (Vilpredo Pareto, 
he peril socialiste, Journal des Economistes 15. Mai, 1900). 
„Die solidaristischen Theorien, die fortschreitend und ins Unendliche die Zahl 
der Unfähigen vermehren“ (Demolins, Superiorite des AngTo-Saxons). 
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