Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Fünftes  Buch.  Die  Lehren  der  neuesten  Zeit.

Eigentümers,  die  Ordnung,  die  die  Besitzer  brauchen,  um  die  Angriffe ­
  der  Besitzlosen  zurückzuweisen.  Auf  der  anderen  Seite  behalten ­
  die  Sozialisten,  viel]eicht  mit  Ausnahme  Foueier’s  (und  die
Anarchisten  nehmen  Fourier  als  einen  der  ihrigen  in  Anspruch),  auch
wenn  sie  das  Eigentum  bekämpfen,  dem  Staat  eine  wichtige  Aufgabe
vor,  nämlich  die  Leitung  der  ganzen  sozialen  Produktion.  Die  Anarchisten ­
  aber,  gestützt  auf  die  liberale  Kritik,  verwerfen  diese  Funktion ­
  des  Staates,  da  ihnen  seine  völlige  administrative  und  wirtschaftliche ­
  Unfähigkeit  als  klar  nachgewiesen  erscheint.  „Freiheit
ohne  Sozialismus“,  sagt  Bakünin,  „ist  Privilegium  und  Ungerechtigkeit: ­
  und  Sozialismus  ohne  Freiheit  ist  Sklaverei  und  Brutalität“ 1 ).
Daher  kann  es  nicht  wundernehmen,  am  Ende  dieses  Buches
einige  Seiten  einer  Doktrin  gewidmet  zu  sehen,  die  die  Verschmelzung
der  beiden  großen  sozialen  Bestrebungen  vollzieht,  die  das  ganze
19.  Jahrhundert  erfüllen.
Jedoch  tritt  sie  uns  nicht  zum  erstenmal  entgegen.  Peoüdhon
hatte  sie  schon  formuliert  und  ihr  ihren  Namen  gegeben.  Peoudhon  ist
auch  tatsächlich  der  wahre  Vater  des  modernen  Anarchismus.  Wenn
man  noch  weiter  in  der  Geschichte  der  Doktrinen  zurückgeht,  kann
man  leicht  ähnliche  Lehren  entdecken,  z.  B.  bei  Godwin  am  Ende  des
18.  Jahrhunderts.  Doch  sind  das  alles  nur  vereinzelte  Kundgebungen *  2  3 ).
Die  Beziehungen  des  PEOuDHOu’schen  Anarchismus  zu  dem  politischen
und  sozialen  Anarchismus  dieser  letzten  dreißig  Jahre  lassen  sich  dagegen ­
  unzweideutig  feststellen.  Nicht  nur  muß  die  Analogie  der  Gedanken ­
  auffallen,  sondern  ihr  Übergang  von  Peoudhon  auf  Bakünin,
und  dann  auf  Keopotkin,  auf  Reclus  und  Jean  Geave  ist  ebenfalls
leicht  nachweisbar.
Neben  dem  politischen  und  sozialen  Anarchismus,  der  den  Hauptgegenstand ­
  dieses  Kapitels  bildet,  hat  sich  eine  andere  Form  des
Anarchismus  entwickelt,  die,  philosophisch  und  literarisch,  als  besonders
auffälligen  Charakterzug  eine  fast  krankhafte  Übertreibung  des  Ich
zeigt.  Diese  Lehre  stammt  aus  Deutschland.  Ihr  bekanntester  Vertreter ­
  ist  Max  Stxenee,  dessen  Buch  „der  Einzige  und  sein
Eigentum“  1844  erschien 3 ),  also  ungefähr  gleichzeitig  mit  den  ersten
*)  Bakünin,  CBuvres,  Bd.  I,  S.  59  (Federalisme,  socialisme  et  antitheologisme).
2 )  Adler  zeigt  in  seinem  Aufsatz  Anarchismus  im  Handwörterbuch
der  Staatswissenschaften  und  in  seiner  Geschichte  des  Sozialismus  und
Kommunismus  (1899,  von  der  nur  der  erste  Teil  erschienen  ist),  daß  das
anarchistische  Ideal  zu  Jeder  Zeit  existiert  hat  und  bis  auf  die  griechische  Philosophie ­
  zurückgeht.
3 )  Der  Einzige  und  sein  Eigentum.  Das  Werk  wurde  1882  und  1893
neu  gedruckt.  1902  wurde  es  ins  Französische  übersetzt.  Stiener  ist  auch  der
Verfasser  der  deutschen  Übersetzung  von  Adam  Smith  und  J.-B.  Say.  Über  das
Leben  Stihneb’s  und  den  Kreis,  in  dem  er  lebte,  findet  man  höchst  interessante
            
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