Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel IV. Die Anarchisten. 
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Ein so verführerisches Bild konnte nicht verfehlen, Ein würfe 
hervorzurufen. Die anarchistischen Schriftsteller haben sie voraus 
gesehen und sind gerüstet, einem jeden zu begegnen. 
Zunächst — wird es bei diesem Übermaß individueller Freiheiten 
keine Mißbräuche geben, keine ungerechtfertigten Kontraktbrüche, 
keine Verbrechen und keine Vergehen? Wird man nicht eine be 
ständige Unsicherheit schaffen, in der die gewissenhaften Menschen 
stets die Opfer der Phantasten und Wankelmütigen sein werden? 
Sicherlich muß man, sagen die Anarchisten, sich auf Seiten 
sprünge gefaßt machen oder, wie sich Jean Geave in einem be 
lustigenden Euphemismus ausdrückt: „auf inkorrekte Handlungen, 
die völlig jeder augenscheinlichen Logik entbehren 1 ). << Zur Unter 
drückung dieser antisozialen Instinkte muß auf die Kritik und das 
Mißfallen der Allgemeinheit gerechnet werden. Da die öffentliche 
Meinung dann nicht mehr durch die heutigen Einrichtungen ge 
fälscht sein wird, wird sie auch eine viel größere Zwangsgewalt aus 
üben * 1 2 * * * * * ). Auf jeden Fall sind es nicht die Gefängnisse, diese „Uni 
versitäten des Verbrechens“, wie Keopotkin sagt, die die antisozialen 
Instinkte vermindern können. „Die Freiheit bleibt immer noch das 
sicherste Mittel gegen die vorübergehenden Unzuträglichkeiten der 
Freiheit 8 ).“ Übrigens wird es noch einen, allen anderen überlegenen 
Einfluß geben, nämlich die Weigerung der anderen Gesellschafter, mit 
Weise- und synonym Produzent und Verbraucher, Bürger und Purst, Verwalter und 
Verwalteter ist; eine Form, in der die Freiheit eines jeden beständig wächst, ohne 
daß er jemals nötig habe, etwas davon aufzugeben; in der sein Wohlstand ohne Ende 
größer wird, ohne daß er durch das Bestehen der Gesellschaft oder das Dasein seiner 
Mitbürger in seinem Eigentum, seiner Arbeit, seinem Einkommen, oder in den 
Beziehungen seiner Interessen, Ansichten und Neigungen mit seinesgleichen irgend 
einen Nachteil finden könnte“ (Idee generale de la Kevolntion, S. 145). Und 
Jean Grave schreibt: „Wenn die Gesellschaft auf natürlichen Grundlagen errichtet 
wäre, dürfte das persönliche und das allgemeine Interesse niemals in Widerspruch 
geraten“ (Societe future, S. 156). 
1) Ua Societe future, S. 16. — „Wir verhehlten uns nicht,“ sagt Kropotkin, 
„daß wir uns bis zu einem gewissen Grade auf manche absonderliche Übertreibungen 
unserer Prinzipien gefaßt machen müßten, wenn dem Individuum vollständige 
Gedanken- und Handlungsfreiheit gelassen wird“ (Autour d’nne vie, S. 413). 
2) Bakdnin, (Buvres, Bd. III, S. 79, Anm.: „Die einzige große allmächtige, 
gleichzeitig natürliche und rationelle Autorität, die einzige, die wir achten können, 
ist die des kollektiven und öffentlichen Sinnes einer auf die Gleichheit und Solidarität 
gegründeten Gesellschaft, die damit die Freiheit und die menschliche und gegen 
seitige Achtuuo- aller ihrer Mitglieder verbindet . , . Eine solche Gesellschaft wird 
tausendfach mächtiger sein . . ., als alle eure göttlichen, theologischen, metaphy 
sischen, politischen und rechtlichen Autoritäten, die die Kirche und der Staat ein 
gerichtet haben, mächtiger als eure Strafgesetzbücher, Kerkermeister und Henker.“ 
3 ) Autour d’une vie, S. 414. Das ist auch einer der Lieblingsgedanken des 
Liberalismus.
	        
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