Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  IV.  Die  Anarchisten.

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so  auch  der  anarchistischen  Gesellschaft  sein.  Die  Anwendung-  der
wissenschaftlichen  Errungenschaften  wird  die  Fabrik  in  einen  gesunden, ­
  luftigen  und  hellen  Aufenthaltsort  um  wandeln.  Die  zur  Erleichterung ­
  der  Hausarbeit  geschaffenen  Maschinen  werden  die  Frau
im  Haushalt  von  einer  Menge  unangenehmer  Arbeiten  befreien.  Die
Gelehrten,  die  heute  jeder  unangenehmen  Arbeit  ledig  sind,  vernachlässigen ­
  diese  Seite  des  Lebens  in  ihren  Erfindungen;  aber  „wenn
ein  Pasteub  auch  nur  5  Stunden  in  den  Abfiußkanälen  von  Paris
zubringen  müßte,  so  ist  nicht  daran  zu  zweifeln,  daß  er  ein  Mittel
finden  würde,  um  sie  ebenso  gesund  wie  sein  bakteriologisches  Laboratorium ­
  zu  gestalten“ 1 ).  Und  schließlich  wird,  was  die  Hauptsache
ist,  die  Arbeitsdauer  auf  höchstens  4  oder  5  Stunden  am  Tage  verringert ­
  werden,  zunächst,  weil  es  keine  Müßiggänger  mehr  geben
wird,  und  dann  auch,  weil  die  systematisch  auf  die  Produktion  angewendete ­
  Wissenschaft  ihre  Ergiebigkeit  verzehnfachen  wird.
Die  der  Wissenschaft  zu  verdankende  überwältigende  Ausdehnung
der  Produktion  ist  einer  der  Lieblingsgedanken  der  Anarchisten.
In  seinem  Wohlstand  fürAlle  hatKropotkin  bezaubernde  Bilder
hiervon  entworfen.  Er  zeigt  uns  die  Wunder,  die  dank  einer  intensiven ­
  Kultur  von  den  Gemüsegärtnern  der  Umgegend  von  Paris  vollbracht ­
  worden  sind;  wie  z.  B.  einer  von  ihnen  mit  drei  Arbeitern,
die  12  bis  15  Stunden  täglich  arbeiteten,  aus  einem  einzigen  Hektar
110000  kg  Gemüse  gezogen  hat.  Von  hier  ausgehend,  sieht  er  schon,
wie  die  8600  000  Einwohner  der  Departements  Seine  und  Seine-et-Oise
  sich  mit  einer  jährlichen  Arbeit  von  58  halben  Tagen  für  jeden
Erwachsenen  alles  Getreide,  alle  Milch,  alles  Gemüse,  alles  Brot  und
alle  Luxusfrüchte,  die  sie  wünschen  können,  verschaffen.  Indem  er
die  gleiche  Berechnung  auf  die  Schaffung  einer  Wohnung  anwendet,
findet  er,  daß  die  Arbeit  von  28  bis  36  Tagen  im  Jahr  einer  Familie
eins  jener  gesunden  und  bequemen  Arbeiterwohnhäuser  schaffen  würde,
wie  man  sie  in  England  baut.  Das  gleiche  gilt  für  die  Kleidung.
Die  amerikanischen  Fabriken  fabrizieren  heute  im  Durchschnitt  auf
den  Arbeiter  40  m  Baumwollen  Stoff  in  10  Stunden;  „Wenn  man  annimmt, ­
  daß  eine  Familie  im  Jahre  200  m  verbraucht,  was  sehr  hoch
gegriffen  ist,  so  ergibt  das  50  Arbeitsstunden  oder  10  halbe  Arbeitstage ­
  von  5  Stunden“  *  2  3  * ).  Zusammenfassend  „würde  ein  jeder  Mensch
der  bis  zum  Alter  von  45  oder  50  Jahren  5  oder  4  Stunden  am  Tag
arbeitet,  mit  Leichtigkeit  alles  hervorbringen  können,  was  nötig
ist,  um  der  Gesellschaft  den  Wohlstand  zu  sichern“  8 ).  Elisee  Eeclus
teilt  diese  Hoffnungen.  Für  ihn  „ist  der  Hunger  in  der  großen  Familie
‘)  Kropotkin,  Couquete  du  Pain  (Der  Wohlstand  für  Alle),  S.  204.
2 )  Kropotkin,  Conquete  du  Pain,  S.  126.
3 )  Kropotkin,  Conqiitte  du  Pain,  S.  135.
Gide,  und  Rist,  Gesell,  d.  Volkswirtschaft!.  Lehrmeinungen.

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