Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel I. Die Physiokraten. 
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zuziehen sei, ist daher ohne jede Bedeutung. Man darf keine bevor 
zugen, sondern muß sich mit beiden befassen 
“Was den Lohn anlangt, so ist seine Definition, so kurz sie 
uuch ist, von einer unglaublichen Tragweite: „Der Lohn entspricht 
dem Teil, den sie (die Arbeiter) am Erzeugnis als Mitbesitzer haben 2 ).“ ' 
Ler Ausdruck „entspricht“ will sagen, daß der Arbeiter, der sein 
^aturrecht auf sein Arbeitserzeugnis nicht ausüben kann oder will, 
es zu einem Geldpreis veräußert; und dieser Preis ist es, der seinen 
Lohn darstellt, der wie alle Verkaufspreise „durch die Konkurrenz 
der Käufer und Verkäufer bestimmt wird.“ Condillac stellt es daher 
ni cht als ein Naturgesetz hin, daß dieser Lohn stets auf das Existenz- 
Minimum beschränkt ist. Er wird von dem Angebot und der Nach 
frage abhängen. Im Gegenteil wird die Klasse der Lohnempfänger 
hier als eine Art latente Assoziation zwischen Kapital und Arbeit 
hingestellt 3 ). 
Sogar vom Gesichtspunkt der praktischen Anwendung und be- 
sonders der Arbeitsfreiheit und der Verurteilung der Zünfte ist 
Condillac viel kategorischer als die Physiokraten gewesen. „Ihre 
''^'rechte sind schreiendes Unrecht, das uns nur deshalb als ordnungs 
gemäß erscheint, weil wir es als bestehend vorfinden 4 ).“ Die Freiheit 
hes Darlehnsgeschäftes und des Zinsfußes verlangt er ebenso kate 
gorisch wie Tüegot, indem er gleich ihm eine formvollendete Beweis- 
hhrung der Gleichheit zwischen Zinsen und Wechslergebühren führt; 
enn ! sagt er, Wechslergebühren sind der Ausgleich der Entfernung; 
„räumliche Entfernung“ und „zeitliche Entfernung“ laufen auf 
a sselbe hinaus 5 ). Mit anderen Worten: das eine ist in der Zeit 
J* S ’ w as das andere im Raum ist, und dies stimmt mit der modernen 
oorie über den Zins durchaus überein. 
°P- cit., I. Teil, Kap. XXIX. 
3 °P- cit, Kap. XII. 
!>h » 69 ; '■ ganz neuen Untersuchungen über den Lohnkontrakt 
Thea ' Bate lak — ohne anscheinend Condillac zu kennen — genau die gleiche 
Clse aus. 
2 ° p ' cit „ XV. Kap. 8. 
Sc häft^ .' ■ PüHG0T: Memoire sur les prdts d ’ argen t, S. 122. „In den Ge 
eint en . m ^ verzinslichen Darlehn gibt man zu einer Zeit weniger Geld, um zu 
ßchen t, eren m ehr zu erhalten, weil der Zeit-, wie der Ortsunterschied einen wirk- 
„Man y nter ® c hied im Wert des Geldes hervorrufen.“ Und etwas weiter auf Seite 127: 
^’ischei/ • *l ei1 P n t ersc hi ec l des Nutzens, der zur Zeit des Darlehnempfanges 
die , nan einer im wirklichen Besitz befindlichen Summe und einer gleichen Summe, 
°® e abar 1 a * >er ers * s Pdter erhalten wird, besteht! Ist dieser Unterschied nicht 
> Pud was ist das triviale Sprichwort: „ein Sperling in der Hand ist besser, 
als 
ZWei Taub 
en auf dem Dach“, anders als der naive Ausdruck dieser Wahrheit?
	        
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