Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

wendet  wird,  so  werden  wir  inne  werden,  daß  ohne  den  Beistand
lind  die  Mitwirkung  (Kooperation)  vieler  Tausende  nicht  der  allergeringste ­
  Mensch  in  einem  zivilisierten  Lande  auch  nur  in  der,  wie
wir  sie  uns  fälschlich  vorstellen,  leichten  und  einfachen  Art  versorgt
werden  kann,  in  der  er  gewöhnlich  ausgestattet  ist 1 ).“
*  Diese  Kooperation  hat  sich  in  den  menschlichen  Gemeinwesen
von  selbst  unter  einer  besonderen  Form,  der  der  Arbeitsteilung,  verwirklicht. ­
  Das  Hauptverdienst  A.  Smith’s  besteht  gerade  darin,
diese  ökonomische  und  soziale  Grundtatsache,  die  seit  ihm  so  oft
angeführt  worden  ist,  daß  sie  uns  heute  als  Behauptung  banal  erscheint, ­
  klar  hingestellt  (hiermit  beginnt  nämlich  sein  Buch)  und  sie
zum  grundlegenden  Gedanken  beim  Aufbau  seines  ganzen  Werkes
gemacht  zu  haben.
Die  Arbeitsteilung  'ist  die  Einrichtung,  durch  welche  die  Kooperation ­
  der  Menschen  zur  Erzeugung  des  Nationalproduktes  sich
mühelos  und  natürlich  vollzieht.  Während  die  Tiere  sich  mit  einer
unmittelbaren  Befriedigung  ihrer  einzelnen  Bedürfnisse  begnügen 2 ),
beschränkt  sich  jeder  Mensch,  anstatt  für  die  Gesamtheit  seiner  Bedürfnisse ­
  Vorsorge  zu  treffen,  auf  ein  einziges  Erzeugnis,  das  er  dann
gegen  die,  die  ihm  fehlen,  umtauscht.  Hieraus  ergibt  sich  für  die
Gesamtheit  ein  enormer  Güterzuwachs.  Die  Arbeitsteilung,  die  das
Zusammenwirken  aller  zur  Befriedigung  der  Bedürfnisse  jedes  einzelnen ­
  erzeugt,  ist  die  wirkliche  Quelle  des  Fortschrittes  und  des
Wohlstandes.
^Um  diese  durch  die  Arbeitsteilung  verursachte  Gesamtproduktionssteigerung ­
  besser  verständlich  zu  machen,  nimmt  Smith
als  Beispiel  die  Wirkungen  der  technischen  Arbeitsteilung  in  einer
besonderen  Industrie:*),Die  Wirkungen  der  Arbeitsteilung  in  der  allgemeinen ­
  Gewerbstätigkeit  der  Gesellschaft  lassen  sich  leichter  verstehen“, ­
  sagt  er,  „wenn  man  beachtet,  in  welcher  Weise  jene  Teilung
in  einzelnen  Gewerben  wirkt.“  Mit  diesen  Worten  beginnt  er‘seine
berühmte  Beschreibung  der  Stecknadelfabrikation:'  „Ein  Arbeiter,
der  für  diese  Tätigkeit  (woraus  die  Teilung  der  Arbeit  ein  eigenes
Gewerbe  gemacht  hat)  nicht  angelernt  wäre,  der  mit  dem  Gebrauch
der  dazu  verwendeten  Maschinen  (zu  deren  Erfindung  wahrscheinlich
eben  dieselbe  Teilung  der  Arbeit  Gelegenheit  gegeben  hat)  nicht
vertraut  wäre,  könnte  vielleicht  mit  dem  äußersten  Fleiß  täglich
kaum  eine,  gewiß  aber  keine  zwanzig  Nadeln  hersteilen.  In  der  Tat
aber,  wie  diese  Tätigkeit  jetzt  betrieben  wird,  ist  sie  nicht  nur  ein
’J  Völkerreichtum  I,  S.  7,  B.  I,  Kap.  I.
2 )  „In  fast  jedem  anderen  Tiergeschlecht  ist  jedes  Individuum,  wenn  es  zur
Reife  gelangt  ist,  ganz  unabhängig  und  hat  in  seinem  Naturzustand  den  Beistand
keines  anderen  lebenden  Wesens  nötig“  (I,  S.  8,  B.  I,  Kap.  II).
            
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