Erwin Respondek,
96
soweit sie zu Lasten ihrer Mitglieder gingen. Aus diesem Bestreben,
nach Möglichkeit für eine Abdeckung der Verbindlichkeiten der dem
Syndikat zugehörigen Makler zu sorgen, spricht deutlich das solidarische
Gefühl dieser Gruppe, das gerade in Zeiten der Not nicht versagt. —
Durch die Krediteröffnung der Notenbank und die Ausgabe eigener
Obligationen haben die Wechselmakler einen Kapitalbetrag von 325
Mill. Frcs. zur freien Verfügung. Ihnen stehen gegen 500 Mill. Frcs.
Report-Verbindlichkeiten gegenüber, so daß immerhin noch 175 Mill.
Frcs. vollkommen ungedeckt in der Luft schweben. Dieser Betrag wird
noch wesentlich dadurch erhöht sein, daß die Wechselmakler den Diskont -
und Lombardkredit der Zentralbank in nur geringem Umfange in An
spruch nehmen dürften. Bis zu welchen Summen sie im Laufe der Zeit
gelangt sein werden, ist bisher nicht zu ermitteln gewesen. Jedenfalls
werden die Makler in ihrer Abneigung gegen diese strenge Kreditgewäh
rung nicht weit über den von der „Frankfurter Zeitung" im Dezember
1914 gemeldeten Betrag von 50 Mill. Frcs. hinausgekommen sein. Wenn
es auch den Wechselmaklern gelungen ist, vielleicht 150 Mill. Frcs.
ihrer Verbindlichkeiten auf diesen beiden Wegen abzudecken, so stellt
die Restsumme mit den im hilflosen freien Markt lastenden Verbindlich
keiten von etwa 160 Mill. Frcs. einen noch zu tilgenden Gesamtbetrag
von 500—510 Mill. Frcs. dar. Denn die ungedeckten Engagements der
Coulissiers müssen gleichfalls abgebaut werden, wenn das Parkett zur
Liquidierung schreitet. Nach der Struktur des Platzes können die inne
ren Zusammenhänge und wechselseitigen Beziehungen zwischen Parkett
und Coulisse nicht geschieden werden. Eine Regelung der Reportenga
gements für die Coulissiers ist notwendig, sonst bedeutet alle ange
botene Hilfe nur eine halbe Maßregel. Hierbei boten eine Reihe von
Faktoren erhebliche Schwierigkeiten. Denn der freie Markt vermag in
folge seiner Organisation der Bank von Frankreich nicht die Sicherheiten
zu bieten wie das Parkett. Um ihr dennoch eine relative Sicherheit für
etwaige Hilfe geben zu können, entwarfen die Coulissiers in enger Anleh
nung an das durchgeführte Abkommen der Wechselmakler mit der Noten
bank einen ähnlichen Plan.
Vor Ausbruch des Krieges hatte jedes Mitglied des freien Marktes
100 000 Frcs. in die Garantiekasse der Coulissiers-Korporation gezahlt,
wie dies bei einer jeden bevorstehenden Ultimoliquidation üblich war.
Nach Abwicklung der Juliliquidation sollte die hinterlegte Summe
wieder zurückgelegt werden. Dieser Betrag — gegen 11 Mill. Frcs. —
wurde jedoch mit der Prolongation der Ultimo-Liquidation zurück
gehalten und später in „Nat.-Vert.-Wechseln“ angelegt. Nach dem
neuen Plan soll nunmehr dieses Kapital als Grundkapital für eine ge
meinschaftliche, erst zu gründende „Maklerbank“ dienen. Das Aktien-
Kapital ist auf 44 Mill. Frcs. festgesetzt und die eingezahlten 11 Mill.
Frcs. sollen hiervon das erste Viertel bilden. Diese „Maklerbank"
hat die Aufgabe, bei der eventuellen Bevorschussung durch die Bank
von Frankreich auf die laufenden Reportengagements den freien Maklern