Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

Frankreichs  Bank-  und  Finanzwirtschaft.

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die  man  zurückziehen  will,  zu  ersetzen.  Es  war  ein  neuer  Geldgeber  zu  suchen.
Leicht  ist  es  nicht,  in  schweren  Kriegstagen  Kapitalquellen  zu  finden,
die  stark  und  geneigt  genug  sind,  die  die  Börse  ungemein  belastenden,  festgelegten ­
  Gelder  durch  neues  Kapital  abzulösen  und  dazu  noch  nicht
allzu  hohes  Entgelt  für  diesen  Dienst  zu  fordern.  Das  Syndikat  beschritt
den  jetzt  einzig  gangbaren  Weg:  zur  Notenbank.  Sie  suchte  und  fand
bei  ihr  die  notwendige  Hilfe.  Die  Korporation  der  Wechselmakler  traf
mit  der  Bank  von  Frankreich  ein  Abkommen,  in  dem  die  Notenbank
einen  Maximal-Vorschuß  von  200  Milk  Frcs.  den  Wechselmaklem  zum
Abbau  der  Reportverbindlichkeiten  zusagte.  Sie  hat  späterhin  noch
50  Mill.  Frcs.  neuen  Kredit  zugesagt,  so  daß  also  den  Wechselmaklem
eine  Summe  von  250  Mill.  Frcs.  zur  Verfügung  stand.  Die  Hilfeleistung
war  aber  an  strenge  Vorschriften  geknüpft.  Ein  Wechselmakler,  der
von  ihr  zur  Ablösung  des  Engagements  Geld  wünscht,  hat  für  die  benötigte ­
  Summe,  deren  Höchstbetrag  für  ihn  allein  auf  200  000  Frcs.
limitiert  war,  einen  3  Monats-Solawechsel  mit  2  Unterschriften  von  anderen ­
  Wechselmaklern  einzureichen.  Dieser  Wechsel  wird  ihm  zum  offiziellen ­
  Banksatze  diskontiert  und  gleichzeitig  hat  er  in  Höhe  des  gewährten
Darlehns  Wertpapiere  zu  hinterlegen,  die  mit  40  %  des  Liquidationskurses ­
  in  Lombard  genommen  werden.  Als  Unterlage  dienen  ausschließlich ­
  gute  französische  Effekten.
Die  Bedingungen,  unter  denen  die  Notenbank  als  Geldgeber  für
die  offiziellen  Makler  auftritt,  sind  hart.  Denn  jene  Verknüpfung  von
Diskont-  und  Lombarddarlehen  bringt  dem  kreditbedürftigen  Wechselmakler ­
  nur  effektive  40  %  der  laufenden  Engagementssumme,  mit  denen
er  seine  Kunden  befriedigen  soll.  Andere  Effekten  als  die  aus  seinem
Reportgeschäft  besitzt  et  nicht  mehr,  und  diese  aus  dem  Ultimogeschäft
herkommenden  muß  er  sämtlich  der  Notenbank  als  Pfand  zuweisen.
Er  bleibt  somit  bei  seinen  Kunden  noch  mit  60  %  im  Debet  und  hat
hierfür  laut  Moratoriums-Verfügung  5  %  Debetzinsen  zu  zahlen.  Gleichzeitig ­
  läuft  eine  neue  verzinsliche  Verpflichtung  bei  der  Notenbank,
und  er  hat  weiterhin  auf  ein  wertvolles  Pfandobjekt  Verzicht  leisten
müssen.  Es  kann  daher  nicht  überraschen,  daß  die  Makler  von  dieser
Hilfe  nur  spärlich  Gebrauch  machen  wollten.  Gegen  50  Mill.  Frcs.  nur
haben  sie  auf  diesem  Wege  nach  einer  Mitteilung  der  „Frankfurter
Zeitung“ 1 )  reguliert.
Außer  dem  Eingreifen  der  Notenbank,  das  die  Wechselmakler  in
der  praktischen  Ausführung  doch  enttäuscht  haben  dürfte,  waren  sie
bestrebt,  aus  eigener  Kraft  Kapitalien  flüssig  zu  machen.  Das  Syndikat
genießt  einen  guten  Ruf,  und  es  wurde  nach  Erwägung  der  Geldmarktslage ­
  beschlossen,  einen  kleinen  Betrag  durch  Emission  von  Bons  mit
der  Unterschrift  der  Syndikats-Kammer  aufzunehmen.  Nach  einer
Mitteilung  des  Finanzministers  sollen  75  Mill.  Frcs.  dieser  Bons  ohne
Schwierigkeiten  untergebracht  worden  sein.  Von  dem  erlangten  Kapital
■wurden  die  aus  der  Abwicklung  entstandenen  Differenzen  beglichen,
ß  Frankfurter  Zeitung,  5.  Dezember  1914-
            
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