— 123 —
möglichen, das Schätzungsverfahren vereinfachen und dadurch die
Fehlerquellen verhüten, die finanziellen Folgen des Verschätzens
möglichst einschränken. Dem Arbeiter wird in der Regel ein Teil
des bei schnellerer Arbeitsausführung gegenüber einer mit dem
Arbeiter vereinbarten Normalleistung (einer bestimmten Grundzeit
oder einem bestimmten Lohn) als Zuschlag zu dem Stundenlohn ge
zahlt. Je nach dem beabsichtigten Zweck — Begrenzung des stünd
lichen Höchstverdienstes, konstanten oder mit dem Lohnsatz sich
verändernden stündlichen Mehrverdienst — pind die Bedingungen
im einzelnen sehr verschieden. Die Vorteile des Prämienlohnsystems
sind die folgenden: Dem Arbeiter wird ein Mindeststundenlohn
garantiert; Zeit- und Kostenersparnis kommen auch dem Arbeiter
zugute; die Prämie ist eine dauernde und kann während der Dauer
des Vertrages 1 ) nicht gekürzt werden. Beim gewöhnlichen Akkord
wird eine Durchschnittsleistung einseitig und unkontrollierbar vom
Unternehmer kalkuliert/während bei dem Prämienlohnsystem in der
Regel eine Grundzeit für die zu leistende Arbeit vereinbart wird 2 ).
Einige Prämienlohnsysteme 3 ) sollen hier kurz; erklärt
werden.
a) Bei dem Halseyschen und Rowansehen Prämiensystem wird
für jede Arbeit eine Normalherstellungszeit — die Norm oder Grund-
r ) Beim freien Arbeitsvertrag (Einzelvertrag) zwischen Arbeitgeber
und Arbeitnehmer stehen sich beide als Vertragschließende gegenüber und verein
baren für den Einzelfall Akkord- oder Stundenlohn. Bei kollektiven Ar
beitsverträgen sind Unternehmer und Arbeiter organisiert. Der Unternehmer
bzw. die Unternehmerorganisation verhandelt mit der Gesamtheit der Arbeiter.
Solche Tarifverträge setzen eine verhältnismäßig einfache Produktionstechnik
voraus, die eine Uniformierung der Arbeitsbedingungen erleichtert, a) Es sind
kollektive Bestimmungen für einzelne Unternehmungen; die Arbeiter verlangen
bei der Festsetzung der Akkordpreise die Mitwirkung einer von Arbeitern ge
wählten Kommission (Vertrauensmänner) und die Aushängung der Listen der
Akkordpreise in deD Arbeitsräumen, b) Tarifgemeinschaften beruhen auf
kollektiven Vereinbarungen für bestimmte Berufe und auf der kollektiven Fest
setzung einer Arbeitsordnung als Unterlage für die Einzelarbeitsverträge. Über
einzelne Fragen vgl. I m 1 e, Tarifverträge. Jena 1907; Selter, Über die Einführung
von Tarifverträgen in den Großbetrieben des Maschinenbaues und verwandter
Industrien. Berlin 1911; Herkner, Die Arbeiterfrage. 6. Aufl. Berlin 1916.
2 ) Die Einführung von Prämienlöhnen ist praktisch fast ausschließlich von
der Stellungnahme der Arbeiterorganisationen abhängig.
3 ) Wegen der Prämiensysteme vgl. das früher zitierte Werk von
Grimshaw (S. 72); dann: Preuß, Das Prämiensystem der Arbeiterlöhnung,
Zeitschr. des Vereins deutscher Ingenieure, 1903, S. 712 ff.; Schiller, Das
Prämiensystem der Lohnberechnung, ebenda, S. 1720 ff.; Möller, Eine Studien
reise in den Vereinigten Staaten von Amerika, ebenda 1903,' S. 972 ff.; dann in
der gleichen Zeitschrift, S. 439, 440, 1472; Levin, Werkstättenbuchführung für
moderne Fabrikbetriebe, Berlin 1907, S. 11 f., 123 f. (Diagramme). Schwarze,
Das Lohnwesen in amerikanischen Eisenbahnwerkstätten, in: Glasers Annalen
für Gewerbe- und Bauwesen. 1910.