Full text : Nationalökonomie (Teil 1)

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Lehre vom
Wert.

auf die Last hinweist, die damit der Industrie aufgebürdet werde, da
sie eine Steigerung der Löhne notwendig mache, und er tritt darin
noch schärfer als Adam Smith für den Freihandel ein. Beschäftigten
sich diese beiden Schriften unmittelbar mit praktischen Tagesfragen,
30 vertiefte er sich in dem größern Werke in mehr grundlegende
Probleme.
Die größte Bedeutung hat seine Lehre von den Ursachen des
Wertes erlangt, indem sie den Anlaß zu der mißverständlichen Auf-‘assung
 Lassalles und Marx’ gegeben hat. Der Begriff des Wertes
wird zunächst von ihm ganz im Anschluß an Adam Smith aufgefaßt.
 Er sagt dann weiter: „Diejenigen Dinge, welche Nutzen gewähren,
 erhalten ihren Tauschwert aus zwei Quellen, aus ihrer Seltenheit
 und aus der Quantität Arbeit, die erforderlich ist, um sie zu
erhalten. Es giebt Dinge, deren Wert einzig von ihrer Seltenheit abhängt,
 ihre Quantität kann nicht durch Arbeit vergrößert werden,
daher kann ihr Wert nicht durch ihre wachsende Menge verringert
werden.“ „Ihr Wert, gänzlich unabhängig von der Quantität Arbeit,
lie zu ihrer Hervorbringung nötig war, richtet sich einzig nach dem
Seschmack und der Liebhaberei derer, die nach ihrem Besitz streben.
Diese Klasse von Dingen macht indessen nur einen kleinen Teil derjenigen
 aus, welche täglich umgesetzt werden. Bei weitem der größte
Teil der Güter, die man zu besitzen wünscht, wird durch Arbeit hervorgebracht;
 nicht in einem Lande allein, sondern in mehreren kann man
ze vervielfältigen.“ „Wenn wir daher von Waren sprechen, von ihrem
Tauschwert und den Grundsätzen, die ihren relativen Preis bestimmen,
meinen wir stets solche Waren, die in Menge durch menschliche Arbeit
hervorgebracht und unter Konkurrenz ohne Hindernis vervielfältigt
werden können. In der Kindheit des wirtschaftlichen Zustandes hängt
der Tauschwert der Dinge oder die Regel, welche bestimmt, wieviel
von der einen Sache für eine andere im Tausche gegeben werden soll,
ainzig von der verhältnismäßigen Quantität Arbeit ab, die auf die
Hervorbringung einer jeden verwandt wurde.“ „Daß hierin die wirkliche
 Grundlage des Tauschwertes aller Dinge besteht, ausgenommen
diejenigen, welche durch menschliche Arbeit nicht willkürlich vervielfältigt
 werden können, ist in der politischen Oekonomie ein Satz
ron der größten Wichtigkeit.“ Aus dem Angeführten geht hervor,
daß Ricardo der Seltenheit des Gutes einen bedeutenden Einfluß
beimißt und sie keineswegs übersieht, wie das später von den Sozialisten
geschehen ist. Dagegen zieht er dieses Moment nur bei einer beschränkten
 Zahl von Gegenständen hinzu und ignoriert es bei den
weiteren Erörterungen, wodurch er dem späteren Mißbrauche einen
Anhalt gegeben hat. Auch bei der Wertbestimmung des Goldes und
Silbers hebt er den Einfluß neuer Entdeckungen von Minen ausdrücklich
 hervor, nur mit dem Zusatz, daß diese Entdeckungen selten und
ihre Wirkungen nur vorübergehend seien.
Nachdrücklich polemisiert er gegen die Adam Smithsche Anuffassung,
 daß der Wert eines Gegenstandes bestimmt werde durch die
Arbeit, welche man gegen den Gegenstand eintauschen könne, und daß
der Wert der Arbeit unveränderlich sei. Vielmehr sei der Wert der
Arbeit vielen Schwankungen unterworfen, schon die Hervorbringung
lesselben Gegenstandes erfordere fortdauernd eine andere Quantität
Arbeit, und die Schwierigkeit der Vergleichung infolge der Verschiedenheit
 der Arten von Arbeit und der Bestimmung der aufgewendeten
            
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