Bei unserer Arbeit beschränken wir uns nur auf
die Anregung zur Genossenschaftsbildung ent
sprechend dem Erlaß des Ministers vom 25. Juni
1902. Keinesfalls darf man die Gründung von
Genossenschaften forcieren, es muß vielmehr den
Handwerkern selbst überlassen bleiben, aus sich
heraus zur Gründung von Genossenschaften über
zugehen. Damit hat die Kammer die Gründung
ungesunder Gebilde verhindert. Mir ermahnen
die Handwerker sogar stets, nur dann Genossen
schaften zu gründen, wenn die Vorbedingungen für
eine leistungsfähige Genossenschaft vorhanden sind.
Die Gründungen dürfen nicht überhastet werden;
denn wenn ungesunde und künstliche Gebilde zu
sammenbrechen, wird auf lange Zeit hinaus in
weiten Kreisen ein oft unüberwindliches Mißtrauen
gegen den genossenschaftlichen Zusammenschluß
erzeugt.
Um dem Genossenschaftsgedanken mehr Geltung
zu verschaffen, sorgten wir dafür, geeignete In-
struktoren zu gewinnen, die durch Reisen im Kam
merbezirk die Handwerker für das Genossenschafts
wesen interessieren sollten. Die Kammer scheute
die Kosten nicht, die ihr durch Heranbildung geeig
neter Instruktoren erwuchsen. Im Anfange des
Bestehens der Kammer wurden mehrere Mitglieder
und Beamte der Kammer zur Teilnahme an den
von dem Hauptverband der gewerblichen Genossen
schaften in Berlin veranstalteten genossenschaftlichen
Lehrkursen auf Kosten der Kammer nach Berlin
entsandt. Diesen Abgesandten wurde dann zur
Pflicht gemacht, durch Vorträge Aufklärung über
Fragen des Genossenschaftswesens im Bezirk zu
geben. Als später in Töln die Gewerbeförderungs
anstalt für die Rheinprovinz ebenfalls derartige
Kurse (sowohl über Kredit- wie über Rohstoff
genossenschaften) ins Leben rief, konnte die Kammer
wegen der geringen Reisekosten die Aufwendungen
für diese Zwecke bedeutend erhöhen. Ls nahmen
seitdem regelmäßig Handwerker des Bezirks an
diesen Kursen teil. Die Kammer unterstützt die
Teilnehmer durch Übernahme eines Teiles der
ihnen erwachsenden Kosten und das Unternehmen
selbst durch eine jährliche Beihülfe von 500 Mk.
Auch in den Lehrplan der von der Kammer selbst
veranstalteten Lehrkurse sind Vorlesungen über
Genossenschaftswesen aufgenommen, an die sich
praktische Übungen anschließen. An diesen Kursen
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nehmen hauptsächlich jüngere Handwerker teil, die
hierdurch mit dem wichtigsten aus dem Genossen
schaftswesen bekannt gemacht werden und die große
wirtschaftliche Bedeutung der Genossenschaften
schätzen lernen.
Um die Handwerker nicht durch ihre Mittel
losigkeit von der Genossenschaftsbildung abzuhalten,
suchte die Kammer neuen Genossenschaften, die nicht
über genügend Geldmittel verfügten, Beihülfen
für die erste Einrichtung zu verschaffen. Diese Be
strebungen waren von Erfolg. Der Staat gewährte
verschiedenen Genossenschaften auf unsern Antrag
Zuschüsse bis zu 300 Mk. zu den Kosten der ersten
Einrichtung.
Nicht weniger günstig als derartige finanzielle
Beihülfen wirken größere Dar lehn zu mäßigem
Zinsfuß und unter tunlichst milden Rückzahlungs
bedingungen. Bei der Erlangung von Darlehn
war die Kammer den Genossenschaften ebenfalls
behülflich.
Schließlich gaben wir den Innungen den Rat,
allmählich einen Fonds anzulegen, der einer neu
zu gründenden Genossenschaft mit auf den weg
gegeben werden kann und der dann dieser die
wirksamste erste Unterstützung bietet. So und durch
die Einführung von Ratenzahlungen bei dem Er
werb eines Geschäftsanteils ist es auch den minder
bemittelten Handwerkern möglich, sich bei gutem
willen an einer genossenschaftlichen Einrichtung zu
beteiligen.
Doch nicht nur den im Entstehen begriffenen
Genossenschaften traten wir unterstützend zur Seite,
wir suchten sie auch auf der einmal erreichten Höhe
zu erhalten. Mit allen Behörden und größeren
Verwaltungen des Bezirkes, die regelmäßig größere
Aufträge in Kleidungsstücken für ihr Personal zu
vergeben pflegen, haben wir uns in Verbindung
gesetzt, um zu bewirken, daß bei der Vergebung die
Handwerkergenossenschaften berücksichtigt würden.
Diese Bemühungen sind zum Teil schon von
Erfolg gewesen; manche Genossenschaften sind vor
allem mit Gemeindearbeiten und Lieferungen be
dacht worden.
Einen weiteren Ausbau des Genossenschafts
wesens haben wir dadurch anzustreben gesucht, daß
wir die Genossenschaften derselben Berufszweige
zur Verbandsbildung ermunterten. Durch
solche Genossenschaftsoerbände werden die einzelnen