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die schon einen größeren Bedarf an Schnittabak haben, es aber
trotzdem für vorteilhafter halten, den selbst gekauften und gemischten
Tabak außer Hause schneiden zu lassen, als selbst eine Tabak
schneidemaschine anzuschaffen und einen Tabakschneider anzustellen.
Die Zahl dieser Tabakschneidereien ist nicht sehr groß. Nach
den Angaben in den „Vierteljahrsheften“ ') gab es im Jahre 1908
in ganz Deutschland nur einundvierzig solche Betriebe; davon ar
beiteten vier ohne, siebzehn mit weniger als fünf und zwanzig mit
mehr als fünf Gehilfen. Reine Maschinenarbeit fand sich in sieb
zehn, Hand- und Maschinenarbeit in zehn und reine Handarbeit in
vierzehn aller dieser Betriebe.
D. Das Zigarettenpapier und die Hülsenfabrikation.
Ist der Tabak geschnitten, so bedarf er zu seiner weiteren
Verarbeitung zu Zigaretten des Zigarettenpapieres. Der größte
Teil alles in Deutschland verwendeten Papieres wird aus dem Aus
lande bezogen und zwar meistens aus Frankreich und Öster
reich. In Deutschland selbst wird nur in ganz geringem Umfang
Zigarettenpapier hergestellt 1 2 ).
Wie mir von Fachleuten mehrfach versichert wurde, erklärt
sich das Fehlen einer größeren, einheimischen Produktion daraus,
daß in Deutschland noch an keiner Stelle Wasser gefunden ist,
das sich zur Herstellung eines tadellosen, porösen und saugfähigen
Papieres eignet.
Das Zigarettenpapier wird aus reinen, pflanzlichen Faserstoffen
hergestellt, die je nach Qualität aus Hanf, Leinen, Baumwolle, Stroh
und Holzzellulose bestehen können. Um die Brennbarkeit zu heben,
werden dem Papierbrei besondere Ingredienzen wie z. B. Magne
sium beigegeben. Die Zigarettenfabrikanten beziehen das Papier in
Form von Bogen oder Bobinen, von denen erstere für Hand-,
letztere für Maschinenanfertigung der Hülsen bestimmt sind; unter
Bobinen versteht man hierbei Rollen, auf denen das Zigaretten
papier in schmalen Streifen aufgewickelt ist. Von den Bogen wiegt
der einzelne etwa vierzehn bis sechzehn Gramm, kostet etwa einen
Pfennig und genügt zur Herstellung von 150 Hülsen.
Vor ihrer Verarbeitung in der Zigarettenfabrik werden die Bogen
erst in eine lithographische Anstalt geschickt, wo sie mit Firma- und
1) Vierteljahrshefte 1908, Heft III, S. 58.
2) Mir ist überhaupt nur eine deutsche Firma bekannt geworden, die sich
mit der Zigarettenpapier-Fabrikation befaßt; es ist dies die „Seiden- und Zigaretten
papierfabrik von Schöller & Hösch, G. m. b. H.“ in Gernsbach (Baden).