Full text : Die deutsche Zigarettenindustrie

45

Sortennamen  auf  druck  und  eventuell,  falls  sie  zur  Herstellung  von  Goldmundstück-Zigaretten ­
  dienen  sollen,  auch  mit  Goldbelag  versehen
werden.  So  bearbeitet  kehren  die  Bogen  wieder  in  die  Zigarettenfabrik ­
  zurück  und  werden  hier  von  der  Material  Verwaltung
für  Papiersachen  in  Verwahrung  genommen.  Als  Materialverwalter ­
  ist  in  den  größeren  Betrieben  ein  besonderer,  kaufmännischer
Beamter  angestellt,  der  gewöhnlich  auch  zugleich  die  Steuerzeichen
mit  in  Verwahrung  hat.
Auf  Order  gibt  er  das  Zigarettenpapier  an  die  Hülsenfabrikationsabteilung ­
  ab.  Deren  Leitung  untersteht  einem  Beamten,
dessen  Aufgabe  es  ist,  an  die  Führer  der  Hülsenmaschinen  das
Papier  zu  verausgaben  und  die  daraus  hergestellten  Hülsen  in  Empfang ­
  zu  nehmen  ;  ferner  läßt  er  die  (Zigaretten-)Papierbogen  von
besonderen  Papierschneidern  mit  Maschinen  in  kleine,  zur  Anfertigung ­
  je  einer  Hülse  passende  Stücke  zerschneiden.  Diese  gibt  er
dann  an  die  Abteilung  für  Zigarettenanfertigung  weiter,  wo  sie  den
Arbeiterinnen  zum  Anfertigen  der  Hülsen  ausgeliefert  werden.
Die  Handanfertigung  der  Hülsen  durch  die  Arbeiterinnen
erfolgt  gewöhnlich  nicht  im  Betriebe  selbst.  Jede  Arbeiterin
muß  vielmehr  nach  Schluß  der  Fabrik  so  viel  Blättchen  mit  nach
Hause  nehmen  und  dort  kleben,  als  sie  nach  Schätzung  am  folgenden ­
  Tage  Hülsen  zum  Füllen  gebrauchen  wird.  Nehmen  wir
an,  daß  eine  Arbeiterin  täglich  1200  Hülsen  stopft  —  dies  ist  der
Durchschnitt  —  so  wird  sie  abends  mit  der  Anfertigung  der
dazu  nötigen  Hülsen  wenigstens  zwei  bis  drei  Stunden  beschäftigt ­
  sein.
In  größeren  Betrieben,  die  Hülsenmaschinen  aufgestellt  haben,
erfolgt  die  Anfertigung  der  Hülsen,  auch  für  die  Handarbeits-Zigaretten,
  meist  auf  maschinellem  Wege,  während  man  früher  nur
die  zum  Füllen  mit  Stopfmaschinen  bestimmten  Hülsen  maschinell
herstellte.  Hierzu  hat  einerseits  die  bedeutende  Vervollkommnung
der  Hülsenmaschinen  geführt,  deren  Produkte  jetzt  von  den  durch
Handarbeit  hergestellten  überhaupt  nicht  mehr  unterschieden  werden
können;  anderseits  versuchen  die  Fabrikanten  überhaupt,  seitdem
ihnen  durch  die  Banderolensteuer  der  Gewinn  arg  gekürzt  worden
ist,  den  Produktionsprozeß  so  weit  wie  irgend  möglich  zu  mechanisieren ­
  und  dadurch  an  Arbeitslohn')  zu  sparen.
Die  vervollkommneten  Maschinen  liefern  jetzt  die  Hülsen  je  nach
Wunsch  mit  oder  ohne  Mundstück,  mit  Gold-  oder  Korkmundstück
1)  Natürlich  bekommen  die  Arbeiterinnen,  die  die  Hülsen  fertig  erhalten,  geringeren ­
  Lohn  als  diejenigen,  die  sich  ihre  Hülsen  selbst  kleben  müssen.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.