Full text: Die deutsche Zigarettenindustrie

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Sortennamen auf druck und eventuell, falls sie zur Herstellung von Gold 
mundstück-Zigaretten dienen sollen, auch mit Goldbelag versehen 
werden. So bearbeitet kehren die Bogen wieder in die Zigaretten 
fabrik zurück und werden hier von der Material Verwaltung 
für Papiersachen in Verwahrung genommen. Als Material 
verwalter ist in den größeren Betrieben ein besonderer, kaufmännischer 
Beamter angestellt, der gewöhnlich auch zugleich die Steuerzeichen 
mit in Verwahrung hat. 
Auf Order gibt er das Zigarettenpapier an die Hülsenfabri 
kationsabteilung ab. Deren Leitung untersteht einem Beamten, 
dessen Aufgabe es ist, an die Führer der Hülsenmaschinen das 
Papier zu verausgaben und die daraus hergestellten Hülsen in Em 
pfang zu nehmen ; ferner läßt er die (Zigaretten-)Papierbogen von 
besonderen Papierschneidern mit Maschinen in kleine, zur Anferti 
gung je einer Hülse passende Stücke zerschneiden. Diese gibt er 
dann an die Abteilung für Zigarettenanfertigung weiter, wo sie den 
Arbeiterinnen zum Anfertigen der Hülsen ausgeliefert werden. 
Die Handanfertigung der Hülsen durch die Arbeiterinnen 
erfolgt gewöhnlich nicht im Betriebe selbst. Jede Arbeiterin 
muß vielmehr nach Schluß der Fabrik so viel Blättchen mit nach 
Hause nehmen und dort kleben, als sie nach Schätzung am fol 
genden Tage Hülsen zum Füllen gebrauchen wird. Nehmen wir 
an, daß eine Arbeiterin täglich 1200 Hülsen stopft — dies ist der 
Durchschnitt — so wird sie abends mit der Anfertigung der 
dazu nötigen Hülsen wenigstens zwei bis drei Stunden be 
schäftigt sein. 
In größeren Betrieben, die Hülsenmaschinen aufgestellt haben, 
erfolgt die Anfertigung der Hülsen, auch für die Handarbeits- 
Zigaretten, meist auf maschinellem Wege, während man früher nur 
die zum Füllen mit Stopfmaschinen bestimmten Hülsen maschinell 
herstellte. Hierzu hat einerseits die bedeutende Vervollkommnung 
der Hülsenmaschinen geführt, deren Produkte jetzt von den durch 
Handarbeit hergestellten überhaupt nicht mehr unterschieden werden 
können; anderseits versuchen die Fabrikanten überhaupt, seitdem 
ihnen durch die Banderolensteuer der Gewinn arg gekürzt worden 
ist, den Produktionsprozeß so weit wie irgend möglich zu mechani 
sieren und dadurch an Arbeitslohn') zu sparen. 
Die vervollkommneten Maschinen liefern jetzt die Hülsen je nach 
Wunsch mit oder ohne Mundstück, mit Gold- oder Korkmundstück 
1) Natürlich bekommen die Arbeiterinnen, die die Hülsen fertig erhalten, gerin 
geren Lohn als diejenigen, die sich ihre Hülsen selbst kleben müssen.
	        
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