I, Die Grundurteile der Politik.
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einer gewissen Kulturhöhe ist ihr unentbehrlich und
sogen. Naturvölker besitzen sie nicht. Ost ist ja von
den „Kulturkritikern" (Cyniker, Rousseau, Tolstoj) im
Namen der Natur gegen die Kultur protestiert worden;
was davon wertvoll ist, richtet sich aber nur gegen die
Auswüchse dieser und der von jenen angepriesene
vermeintliche Naturzustand ist selbst ein Stück Kultur,
allerdings ein bescheidenes. Will man etwa mit dem
russischen Bauern, den Tolstoj als Muster hinstellt,
etwas erreichen, so muß man ihn „organisieren"; so
einfach aus sich selbst heraus, wie der Organismus von
Pflanze und Tier wächst menschliche Organisation
nicht. Jedenfalls der Organisator muß eine etwas
höhere „Kultur" besitzen, als die zu Organisierenden
und man darf den Vergleich mit den Organen in der
Natur niemals zu Tode Hetzen.
Will nian, wie heute häufig geschieht, einen Unter
schied zwischen Kultur und bloßer Zivilisation fest
halten, indem man jener alle höheren, ideellen Werte
und Normen, dieser aber nur die Nützlichkeitswerte
(praktische, technische, ökonomische) zuweist, so gehört
Organisation an sich zunächst nur zur Zivilisation. Daß
sie die höheren Zwecke wahrer Kultur erfülle, ist dann
eine Forderung, die man an sie stellt, ein neues Sollen,
eine weitere Norm. Das Wort allein sagt nichts über
die Ziele; man kann auch eine Räuberbande gut orga
nisieren. „Einigkeit" hilft ebensowenig, man kann auch
einig sein zum Schlechten. Aber unser Begriff braucht
ja auch nicht alles zu leisten und macht Religion,
Philosophie, Ethik usw. nicht überflüssig; genug wenn
er gestattet, gewisse Seiten unserer Kultur scharf zu
* beleuchten.